Pressemitteilung – Das zukünftige Dokumentationszentrum „Hannoverscher Bahnhof“ bekommt Nachbarn mit NS-Vergangenheit.

2. Februar 2021

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN–BdA) e.V Hamburg

Das Hamburger Abendblatt online meldet am 15. Januar 2021: „Wintershall DEA zieht in die HafenCity“. Im Sommer 2022 soll es so weit sein. Im Erdgeschoss desselben Bürogebäudes am Lohsepark wird dann auch das Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof eröffnet werden, das der Geschichte der aus Hamburg in die Vernichtung Deportierten gewidmet ist.

Im Gegensatz zu den ermordeten Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma steht Wintershall für die Täter:

Der Vorstandsvorsitzende August Rosterg war einer der frühen Unterstützer der Nazis. Bereits 1931 traf er im Geheimen mit Adolf Hitler zusammen und war ebenfalls vor 1933 Mitglied des „Keppler-Kreises“, der Spenden für dessen Partei einwarb.

Wintershall gehörte zu den Profiteuren des Naziregimes. Das Unternehmen beteiligte sich an der Ausplünderung der im Zweiten Weltkrieg okkupierten Länder und beutete knapp 10.000 Zwangsarbeiter*innen in seinen Werken aus. Diese wurden vom Werksschutz an den Baracken abgeholt und zurückgebracht, immer wieder übernahm der Werkschutz auch die „Nachtwache“ an den Baracken. Heute gehört Wintershall DEA zu rund 70 % dem IG-Farben-Gründungs- und Nachfolge-Konzern BASF.

Nach dem anhaltenden Skandal um die ehemalige Hamburger Gestapo-Zentrale Stadthaus bahnt sich hier nun der nächste Skandal hanseatischer Geschichtsvergessenheit an: die Hamburger Dokumentationsstätte für die Opfer der Shoah soll sich ein Gebäude mit einem NS-Täter-Konzern teilen.

Das Hamburger Abendblatt zitiert den Vorstandsvorsitzenden der Wintershall DEA, Mario Mehren: „Mit dem neuen und langfristig anzumietenden Bürogebäude haben wir Büros gefunden, die zu Wintershall DEA passen“.

Am 27. Januar wurde inzwischen mit vielen Veranstaltungen an die Opfer des Nazi-Regimes erinnert. Erinnerung wird aber zur Farce, wenn zugleich die Überlebenden und Nachkommen der Opfer in solcher Weise brüskiert werden.

VVN-BdA Hamburg, 28. Jan. 2021