Antifaschistische Vorsätze für 2024

20. Dezember 2023

2024 steht vor der Tür – und die Gesellschaft droht weiter nach rechts zu kippen: Mit der Reform des Asylrechts auf EU-Ebene wird das Leid von Flüchtenden drastisch zunehmen.

Die AfD freut sich auf Wahlerfolge bei den Kommunal- und EU-Wahlen im Sommer und kann darauf hoffen, in drei Bundesländern stärkste Kraft zu werden.

Zusätzlich gibt die Regierung Milliarden für Rüstung aus, kürzt im sozialen Bereich und steht der Rechtsentwicklung hilflos bis bejahend gegenüber.

In Hamburg sieht es leider ähnlich aus: Die CDU unterstützt eine Initiative zum Genderverbot, die AfD freut sich laut Prognosen auf eine Verdreifachung ihrer Wähler:innenstimmen und der Senat lässt sich beim Thema Gedenkstätten von privaten Investor:innen zur Kasse bitten.

Mit welchen Vorsätzen könnte man also ins Jahr starten? Wir haben vier antifaschistische Ideen für euch!

Supporte antifaschistische Strukturen! Werde VVN-BdA Mitglied, engagiere dich in der Kreisvereinigung in deiner Nähe oder schaue bei den offenen Treffen von Aufstehen gegen Rassismus Hamburg vorbei. Helfende Hände, gute Ideen und Beharrlichkeit sind die Grundlage für antifaschistischen Erfolg! 

Bilde dich fort! Melde dich für einen Workshop gegen Alltagsrassismus an. Aufstehen gegen Rassismus Hamburg hat fünf neue Termine für das erste Halbjahr 2024 veröffentlicht. Du findest sie hier. Die Workshops sind kostenlos und helfen dir, im Alltag Position zu beziehen und in dein Umfeld hineinzuwirken.

Bleib auf dem Laufenden! Wie wäre es zum Beispiel mit dem Besuch unserer Antifa-Filmreihe oder der Mahnwache am ehemaligen Gestapo-Hauptquartier im Stadthaus? Veranstaltungen und News rund ums Thema Antifa und Hamburger Erinnerungspolitik findest du hier und in unserem Newsletter.

Unterstütze uns mit einer Spende! Wir finanzieren uns ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden und jeder Euro hilft uns, unseren Einsatz gegen Rechts zu gestalten!

Hamburger Sparkasse, IBAN : DE 78  200 505 50 1206 127183, BIC HASPDEHHXXX.

Menschenrechte verteidigen

2. Dezember 2023

Die Gesellschaft erlebt erneut einen Rechtsruck, der sich gegen Migrant:innen und Geflüchtete richtet. Es ist wichtig, jetzt gemeinsam auf die Straße zu gehen um zu zeigen, dass es breite Unterstützung für die Rechte von Geflüchteten und eine offene Gesellschaft gibt. Denn Menschenrechte sind nicht verhandelbar!

Deshalb kommt zur Demonstration „Migration ist ein Menschenrecht“ am Sonntag, 10. Dezember 2023 um 13.00 Uhr am Hansaplatz.

Unser Statement zur geplanten Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) findet ihr hier.

Weitere Informationen und den Aufruf zur Demonstration findet ihr hier.

Jahrestag am 9. November

1. November 2023

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Anlässlich des 85. Jahrestags der Reichspogromnacht finden am Donnerstag, den 9. November 2023, Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer statt. Wir laden euch herzlich dazu ein!


14:30-15:30 Uhr auf dem Joseph-Carlebach-Platz (Grindelhof)
Erinnerung und Mahnung! Es sprechen Sandra Goldschmidt (ver.di Hamburg), Pastor Sieghard Wilm (St. Pauli Kirche) und Michael Batz (Autor, Lichtkünstler). Moderation: Traute Springer-Yakar (VVN-BdA Hamburg)
Veranstaler:innen: VVN-BdA Hamburg, Jüdische Gemeinde in Hamburg, Universität Hamburg
Weitere Informationen: hier.

ab 16:30 Uhr: Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde in Hamburg und der Stiftung Bornplatzsynagoge auf dem Joseph-Carlebach-Platz. Anschließend: „GRINDEL LEUCHTET“ – Gedenken an den Stolpersteinen im Grindelviertel.

17:00-18:30 Uhr: Schiffsfahrt und Gespräch, Zikaron BaSalon auf der Alster
Zikaron BaSalon ist eine israelische Initiative, bei der Privatpersonen in ihre Wohnzimmer einladen, in unserem Fall auf ein Schiff auf der Binnen- und Außenalster, um den Bericht eines Shoah-Überlebenden zu hören. An diesen Abend befassen wir uns mit der „Opfer“- und „Täter“-Rolle. Mutig und wahrhaftig wird ein Gast von seiner SS-Familie erzählen. Der Lichtkünstler Michael Batz wird zum Licht beitragen. Eintrittskarten und Tickets unter: LINK
Weitere Informationen: hier.

19:30 Uhr: Gegen das Vergessen, Veranstaltung des Auschwitz-Komitees (Hörsaal, Von-Melle-Park 9)
Mit Prof. Dr. Detlef Garbe (Historiker), Cornelia Kerth (VVN-BdA), zivilgesellschaftlichei Initiativen zur Erinnerungskultur und Mitgliedern des Auschwitz-Komitees. Musik: Bejarano & Microphone Mafia mit Lina Brinkmann als Gast.
Weitere Informationen: hier.

Nehmt es wahr, nehmt wenigstens ihr es wahr…

25. September 2023

Das Bedeutsamste und Kostbarste aus deutscher Geschichte ist und bleibt der antifaschistische Widerstand.

In einem eindringlichen „Appell an die Jugend“ warnten unsere Ehrenpräsidentin Esther Bejarano (1924-2021) und unser langjähriges Vorstandsmitglied Peter Gingold (1916-2006) schon 1997 vor einem Erstarken von Rassismus, Nationalismus, Nazismus und Krieg.

Gerade heute, wo rechte Gewalt weltweit zunimmt, ein schrecklicher Krieg in Europa tobt und die AfD zweistellige Ergebnisse erzielt, sind die Worte unserer ehemaligen Kamerad:innen eindrücklicher und wichtiger denn je.

Laßt das Vermächtnis des Widerstandes nicht in Vergessenheit versinken, den Schwur von Buchenwald: »Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!«

Für Waffenstillstand und Verhandlungen! Stoppt das Töten!

19. September 2023

Kommt am Internationalen Tag des Friedens mit uns und dem Hamburger Bündnis gegen Militarismus und Krieg auf die Straße:

Donnerstag, 21.09.2023, 17:30-18:30 Uhr
Mönckebergstraße, vor SATURN

Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Wir verurteilen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die gesamte Ukraine, der seit dem 24. Februar 2022 zu hunderttausenden Toten und Verletzten sowie Millionen Geflüchteten geführt hat.Russland hat diesen Krieg begonnen. Russland kann ihn jederzeit beenden.

Wir sind solidarisch mit den Menschen in der Ukraine. Wir erkennen das völkerrechtlich verbriefte Recht auf Selbstverteidigung an. Die Logik des Krieges muss durchbrochen werden. Vor allem die Betroffenen, die zivilen Widerstand leisten und gewaltfreie Aktionen durchführen, die desertieren oder den Kriegsdienst verweigern, brauchen unsere Unterstützung.

Wir fordern diplomatische Initiativen, Waffenstillstand und Friedensverhandlung, den vollständigen Rückzug des russischen Militärs und den Schutz durch humanitäre Visa und Asyl für alle Menschen, die sich dem Krieg entziehen möchten. Es muss alles getan werden, um einen Atomkrieg zu verhindern. Um die weitere Finanzierung des Krieges zu stoppen und die Klimakatastrophe abzuwenden, braucht es den Ausstieg aus fossilen Energieträgern.

Hier findet ihr den ganzen Aufruf. Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung.

Arbeitskreis Neofaschismus

2. September 2023

Am 23. August hat der Hamburger Landesvorstand der VVN-BdA entschieden, dass ein Arbeitskreis Neofaschismus (neu) gegründet wird.

Im AK Neofa arbeiten wir systematisch und kontinuierlich zum Thema extreme Rechte / Neofaschismus in Hamburg. Aktuell ist eine Artikelserie geplant, die einen Überblick über rechte Strukturen in Hamburg gibt, und dann als Broschüre erscheinen soll. Gerade das Aufdecken von Verbindungen zwischen extremer Rechter, parlamentarischer Rechter und der Verschwörungsszene ist uns dabei wichtig. Wir haben den Eindruck, dass es Normalisierungstendenzen gibt, denen wir etwas entgegenstellen wollen. Konsequente antifaschistische Arbeit muss solche Tendenzen klar benennen – und sie dafür gut recherchiert aufbereiten und vermitteln. Darüber hinaus entwickeln wir weitere Projekte.

Mitglieder, die sich für eine Mitarbeit im AK Neofa interessieren, können sich an vvn-bda.hh@t-online.de wenden.

Die Welt braucht Frieden!

17. August 2023

Wie in letztem Jahr rufen wir gemeinsam mit dem DGB Hamburg, dem AVS und dem Auschwitz-Komitee zur gemeinsamen Kundgebung am 1. September, dem Antikriegstag, auf. Kommt mit uns auf die Straße, um ein Zeichen für Solidarität, Gerechtigkeit, für Freiheit und Frieden zu setzen.

Programm:

Kranzniederlegung
10:00 Uhr am Mahnmal für die Opfer von Krieg und Faschismus des Friedhofs Ohlsdorf
Kundgebung und Hissung der Friedensfahne
15:00 Uhr vor dem Gewerkschaftshaus (Besenbinderhof 60)
Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit ver.di „Den Frieden gewinnen – Abrüsten statt Aufrüsten“
18:00 Uhr im KLUB (Besenbinderhof 62)

Politische Grundlage ist der Aufruf des DGB:

Die Welt braucht Frieden! Wir stehen zusammen: für Solidarität, für Gerechtigkeit, für Freiheit und für Frieden – jetzt!

Jeder Krieg ist ein Angriff auf die Menschheit und die Menschlichkeit. Das ist eine zentrale Lehre, die wir aus der Geschichte gezogen haben. Das ist der Grund, weshalb wir uns mit all unserer Kraft für Frieden, Rüstungskontrolle und Abrüstung, für die Achtung der Menschenrechte und für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen. Wir leben in einer Zeit, in der dieses  Engagement besonders gefordert ist. In unserer Nachbarschaft tobt der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Wir fordern die russische Regierung auf, ihn durch den  Rückzug ihrer Truppen zu beenden und die territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen. Das in der Charta der Vereinten Nationen niedergelegte Recht der Ukraine auf Selbst- verteidigung steht für uns außer Frage.

Wir warnen aber eindringlich vor dem Irrglauben, immer mehr Waffen für die Ukraine würden zu einem schnelleren Ende des Krieges führen. Und wir  warnen vor der einseitigen Fixierung der Debatte auf Waffenlieferungen und ein Denken in den Kategorien „Sieg“ oder „Niederlage“. Wir fordern die Bundesregierung auf, ihr Handeln stärker  auf friedliche Ansätze zur Konfliktlösung zu fokussieren: Haben Sie den Mut, mehr Diplomatie zu wagen! (…)

Wir werden von der Überzeugung getragen, dass wir unsere Ziele nur in großer Solidarität erreichen. Rechtsextreme Positionen und Verschwörungsmythen haben bei uns keinen Platz. Wir  werden uns nicht wegen der Hautfarbe, sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität, Religion oder Behinderungspalten lassen. (Auszug aus dem diesjährigen Aufruf des DGB.)

Hier geht’s zum ganzen Aufruf.

Anschlag auf das Ohlsdorfer Friedensfest

8. August 2023

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In der Nacht zum 4. August wurde das Veranstaltungszelt am Mahnmal für die Hamburger Bombenopfer auf dem Ohlsdorfer Friedhof an 20 Stellen aufgeschlitzt und massiv beschädigt. Der Schaden beläuft sich auf rund 6000 Euro. Das Friedenszelt ist Veranstaltungsort des Ohlsdorfer Friedensfestes 2023.

Wegen der klaren Positionierung des Bündnisses gehen wir von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus. Der heimtückische Anschlag zeigt, dass die Auseinandersetzung mit Krieg, Gewaltherrschaft, ihren Folgen und den Gegenwartsbezügen alles andere als erledigt ist. Antifaschistisches Engagement und Erinnerungsarbeit bleibt unbedingt notwendig.

Angesichts hoher Umfragewerte der AfD und der Zunahme rechter Ideologie ist eine Relativierung der NS-Verbrechen zu befürchten. Als VVN-BdA appellieren wir an die Zivilgesellschaft: Noch immer stehen viele Menschen wie ein Kaninchen vor der Schlange. Die AfD ist der parlamentarische Arm der neuen Rechten. Es ist jetzt Zeit aktiv zu werden und den erstarkenden Faschismus zu bekämpfen!

Die VVN-BdA Hamburg ist seit Beginn des Friedensfestes 2009 Teil des Bündnisses Ohlsdorfer Friedensfest. Mit der Thematisierung von Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus werden wir weiterhin daran erinnern, dass die Zerstörung deutscher Städte durch alliierte Bomber direkte Folge der Naziherrschaft war.

Flüchtlingsschutz ist unverhandelbar!

20. Juni 2023

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Am 26.05.23 feierte Deutschland ein trauriges Jubiläum – 30 Jahre Asylrechtsverschärfung.

Auf Betreiben der CDU-FDP-Regierung schränkte der Bundestag 1993 das Asylrecht drastisch ein. Auch die meisten SPD-Abgeordneten wollten die Zahl Schutzsuchender einschränken und stimmten zu. 3 Tage später starben in Solingen bei einem rassistischen Brandanschlag fünf aus der Türkei stammende Frauen und Mädchen.

In diesen Tagen sind EU und deutsche Regierung dabei, dem deutschen und europäischen Asylsystem und den Rechten der mit Ziel Deutschland fliehenden Menschen den Todesstoß zuversetzen. Die egelungen, auf die sich die EU-Innenminister*innen geeinigt haben, werden schwerwiegende Folgen aben: Unter anderem wurde beschlossen verpflichtende Grenzverfahren einzuführen, das Konzept der sicheren Drittstaaten“ zu verschärfen und das „Dublin-System“ zu modifizieren.

Die EU-Minister machen damit das Asylrecht zum Ausnahmerecht, das nur noch ganz wenige in Anspruch nehmen können:

  1. Massiv erschwerter Zugang zum EU-Asylsystem durch Sperrung der Fluchtwege
    Die bisher schon unmenschliche Zurückweisung von flüchtenden Menschen an den EU-Grenzen unter Beteiligung der EU-Grenz“schutz“agentur FRONTEX wird besonders im Mittelmeer intensiviert. EU-Staaten legalisieren die gegen EU-Recht verstoßenden Pushbacks. Rettungsschiffe werden durch immer strengere Auflagen daran gehindert Leben zu retten. Es werden sogar die Verbrecher der „Libyschen Küstenwache“ bei der mörderischen Jagd auf Flüchtende unterstützt und finanziert.
  2. Das Prinzip der „sicheren Drittstaaten“ und „sicheren Herkunftsländer“
    Das Konzept der sogenannten „sicheren Drittstaaten“, also Rückschiebung in Staaten, die Flüchtende
    auf ihrer Flucht passiert haben und die als „sicher“ erklärt wurden, dient dazu, dass europäische Staaten die Verantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen auslagern. So werden in Griechenland z.B. die Anträge von syrischen, afghanischen und weiteren Asylsuchenden als „unzulässig“ abgelehnt, weil die Türkei für sie sicher sei – obwohl diese massiv nach Afghanistan und auch nach Syrien abschiebt.
    Dieses Konzept wurde schon vor 30 Jahren ins deutsche Asylrecht eingeführt und ergänzt durch das Prinzip der „sicheren Herkunftsstaaten“. Danach werden Asylanträge von Menschen aus Staaten, die von Deutschen Behörden als „sicher“ eingestuft wurden, von vornherein als unbegründet abgelehnt. Die Liste dieser Staaten soll nun noch ausgeweitet werden.
  3. Internierungs-Lager in EU-Nachbarstaaten und Asylverfahren an den Außengrenzen
    Geplant ist, Flüchtende in geschlossenen Lagern an der EU-Außengrenze oder in EU-Nachbarstaatenwie Tunesien zu internieren. Befinden sich die Lager auf EU-Territorium, wird so getan, als wenn sie nicht eingereist wären, ihr Asylantrag wird im Eilverfahren geprüft (wobei nicht der Fluchtgrund, sondern Herkunft und Fluchtweg geprüft werden). Bis zu 12 Wochen soll diese „Vorprüfung“ und Internierung dauern. Und die allermeisten werden dann abgeschoben. Den Menschen wird die Möglichkeit genommen, sich rechtlich beraten zu lassen, sie werden von der Außenwelt abgeschirmt. Nicht einmal Familien mit Kindern werden von den verpflichtenden Grenzverfahren ausgenommen – selbst dem Überschreiten dieser roten Linie hat die Bundesregierung zugestimmt und damit vor den Forderungen der EU-Länder mit rechten Regierungen kapituliert.
  4. Modifizierte Fortführung der „Dublin-Verordnung“
    Die unfairen Zuständigkeitsregelungen der Dublin-Verordnung werden im Prinzip beibehalten. Das gilt insbesondere für das Ersteinreise-Kriterium, nach dem der EU-Staat, in dem ein Geflüchteter zuerst europäischen Boden betreten hat, für sein Asylverfahren zuständig ist. Bisher konnten Menschen aus zentraleuropäischen Staaten wie der BRD innerhalb von 6 Monaten in den Ankunftsstaat zurückgeschoben werden. Das geht vor allem zu Lasten der Schutzsuchenden, die lange auf die Prüfung ihres Asylantrags in der EU warten müssen. Nun wurde beschlossen, dass die Schutzsuchenden (nach der bis zu 12-wöchigen „Vorprüfung“ an der Außengrenze) paritätisch auf die EU-Staaten verteilt werden sollen. Aber die unwilligen Mitgliedsstaaten müssen – trotz der viel beschworenen Solidarität – auch zukünftig keine Flüchtlinge aufnehmen. Stattdessen können sie Geld zahlen, mit dem Grenzsicherungsmaßnahmen finanziert werden: 22.000 € soll ein Mensch auf der Flucht wert sein, den sie nicht aufnehmen wollen!
    So bekommt der Ausverkauf der Menschenrechte eine buchstäbliche Bedeutung

Noch sind die Beschlüsse nicht Gesetz: Das EU-Parlament muss ihnen noch zustimmen. Wir appellieren an das EU-Parlament, seiner humanitären Verantwortung gerecht zu werden und an die Bundesregierung, ihren eigenen Koalitionsvertrag ernst zu nehmen:

  1. Für menschenwürdige und faire Asylverfahren: Keine verpflichtenden Grenzverfahren an den EU-Außengrenzen!
  2. Weg mit dem Drittstaats-Prinzip! Keine neuen „sicheren Drittstaaten“!
  3. Für echte Solidarität in der Flüchtlingsaufnahme: Keine Weiterführung des gescheiterten Dublin-Systems!
  4. Keine Behinderung der Seenotrettung!
  5. Sichere Fluchtwege nach Europa!
  6. Gleiche Rechte für ALLE Schutzsuchenden nach dem Vorbild der Behandlung Geflüchteter mit ukrainischem Pass!

Der ganze Aufruf samt Unterstützer:innen findet sich hier.

An die Hoffnung der Befreiten erinnern

18. Mai 2023

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Unter diesem  Motto standen die diesjährigen Aktivitäten zum 8. Mai, dem 78. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus.

Mit dem Bündnis zum 8. Mai in Hamburg zogen wir am Samstag, den 6. Mai, mit einigen hundert Menschen vom Curiohaus zum Rathausmarkt. Vor dem Curiohaus ging es um die Prozesse, die den Täter:innen des KZ Neuengamme hier nach dem Krieg gemacht wurden. Tanja Chawla vom DGB Hamburg erinnerte an unsere Ehrenvorsitzende Esther Bejarano, die zeitlebens für einen Feiertag am 8. Mai gekämpft hatte. Am Stephansplatz sprach VVN-BdA-Landessprecher Georg Chodinski über die 30.000 zum Tode verurteilten Wehrmachtsdeserteure und den politischen Kampf um ihre Anerkennung nach dem Krieg. Der Jugendrat thematisierte am Jungfernstieg die widerständige Subkultur der Swingjugend und der kommunistischen Jugendverbände, die während des NS spontanen Protest gegen die Nazis organisierten. Auf dem Weg zum Stadthaus sangen wir das Lied der italienischen Partisanen. Tuten und Blasen begrüßte uns mit stimmungsvoller Musik am ehemaligen Stadthaus, der Hamburger Gewaltzentrale im NS, in der politische Gegner:innen gefoltert und ermordet wurden. Es war großartig, als Uli Henschel bei seinem Redebeitrag mit Peter Tschentscher telefonierte und von ihm einen angemessenen Gedenk- und Lernort einforderte.

Auf dem Rathausmarkt schließlich gedachten wir der ermordeten Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft mit einer Schweigeminute. Unsere Bundesvorsitzende Cornelia Kerth zitierte die Vision der jüdischen Kommunistin Elsa Werner von einem friedliebenden Land, frei von Antisemitismus, frei von Diskriminierung, das die Opfer der NS-Zeit mit Kleidung, Wohnung, Nahrung, Wärme umgibt und für Schäden aufkommt, die es in Europa angerichtet hatte. Obwohl Elsa Werners Vision eine Illusion gewesen war, glaubte sie auch Jahrzehnte nach dem Ende der Naziherrschaft noch immer an ein Stückchen Vernunft im Menschen und nahm uns alle in die Pflicht, diese Vernunft am Leben zu halten.

Am eigentlichen Jahrestag der Befreiung, dem 8. Mai, wurden wir auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz mit herrlicher Sonne beschenkt. Neben den zahlreichen Initiativen, die Infomaterial, Bücher und Prospekte an ihren Ständen anboten, Kuchen und Getränke gegen Spende verkauften und immer für ein offenes Gespräch da waren, ließen wir uns von einem kurzweiligen und bunten Bühnenprogramm begeistern. Neben tollen musikalischen Beiträgen von Lina und die roten Sterne oder der Gruppe Resistencia, die am Ende das Publikum zum Tanzen und Mitsingen motivierte, gab es bewegende und eindrückliche Redebeiträge des Jugendrats, der Nationalen Vereinigung der Partisanen Italiens (Grußbotschaft) und der Zeitzeugin Antje Kosemund, die sich nach der Ermordung ihrer Schwester durch die Nazis insbesondere für ein würdiges Erinnern an die Euthanasie-Opfer einsetzt und Jahrzehnte im Vorstand der VVN-BdA Hamburg aktiv war. Auch die musikalischen Darbietungen von Peter Schenzer und Angela Altmann im Wechsel mit den von Inés Fabig und Michael Weber kraftvoll vorgetragenen Texten verschiedener Zeitzeug:innen beeindruckte uns sehr. Dieser Tag wird uns so schnell nicht aus dem Gedächtnis gehen.

Spontan sprach auch Peggy Parnass zu uns und erinnerte sich an den 8. Mai 1945, den sie in London erlebte. „Mir war schwindelig vor Begeisterung! Doch als auch eine kleine Gruppe von Juden auf der Straße feierte, wurde sie verprügelt. Da wusste ich: es ist nicht vorbei. Es ist nicht damit getan, dass man die Deutschen platt macht. Mir wurde klar, es ist nicht nur Deutschland.“ Und an uns richtete sie die eindringliche Botschaft: „Wir müssen mit aller Kraft dagegen kämpfen. Wir sind dran!“

Diese Aufforderung nehmen wir uns zu Herzen und bekräftigen einmal mehr, was sich die Häftlinge von Buchenwald nach ihrer Selbstbefreiung schworen: „Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“

Fotos (c): Gert Krützfeldt und VVN-BdA Hamburg

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