Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Gegen jeden Antisemitismus, Antiziganismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit!

27. Januar 2026

Vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, das zum Symbol des Holocaust und der Mordmaschinerie des deutschen Faschismus wurde.

Allein in Auschwitz wurden 1,5 Millionen Menschen ermordet, darunter mindestens 1,1 Millionen europäische Jüdinnen und Juden.  Zu den Ermordeten gehörten auch Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, politische Gegner*innen, als „asozial“ Diffamierte und Homosexuelle. Millionen weitere wurden in anderen Vernichtungslagern und Ghettos, durch Erschießungskommandos, Aushungern und Todesmärsche ermordet.

Die beispiellose industrielle Vernichtung von Millionen Menschen ist historisch einzigartig. Auch daran haben Konzerne verdient, so wie die IG Farben mit dem Betrieb des Komplexes Monowitz und der Herstellung des Giftgases Zyklon B.

Wir gedenken heute aller Opfer des deutschen Faschismus.  Es ist eine unserer zentralen Aufgaben, das Gedenken an die Ermordeten wach zu halten – besonders jetzt, wo die Erinnerung an sie zu verblassen droht und nur noch wenige Zeitzeug*innen von den Gräueln berichten können.

Wir erneuern unseren Dank an die Rote Armee, die dem Morden in Auschwitz ein Ende bereitete. Erst durch den gemeinsamen Kampf alliierter Soldat*innen, Widerstandskämpfer*innen und Partisan*innen aus vielen Ländern konnte der deutsche Raub- und Vernichtungsfeldzug erst beendet werden. 

Das Gedenken an die Opfer des deutschen Faschismus ist für uns stets Mahnung und Auftrag, das historische Wissen der folgenden Generationen zu stärken und Fälschungen entgegenzutreten. Wenn Unrecht und Ausgrenzung zur Normalität werden, gegen Geflüchtete gehetzt wird, Menschen ihrer Rechte und ihrer Würde beraubt und die Verbrechen der Nazis relativiert oder gar verherrlicht werden, müssen sich alle demokratischen Kräfte diesen Tendenzen widersetzen. Denn: Es fing nicht mit den Gaskammern an, sondern mit Ausgrenzung und politischer Repression, mit Berufsverboten, medialer Hetze und rassistischen Gesetzen. Was geschehen ist, konnte nur geschehen, weil ein großer Teil der Deutschen sich direkt oder indirekt am Morden beteiligte und noch viel mehr wegsahen und Nazi-Terror, Vernichtungskrieg und Völkermord hinnahmen. Nie wieder! darf nicht Phrase bleiben, sondern muss die gesellschaftlichen Debatten und das Handeln leiten.

Nie wieder! heißt, aktiv zu werden, wenn Menschen aufgrund äußerer Merkmale, Herkunft, sexueller Orientierung, ihres Glaubens oder ihrer politischen Orientierung diskriminiert werden. Wir stehen fest an der Seite derer, die von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit oder Behindertenfeindlichkeit betroffen sind.

Nie wieder! heißt, die Kriminalisierung und Repression gegen Antifaschist*innen zurückzuweisen.

Nie wieder! heißt, sich dafür einzusetzen, dass die AfD verboten wird!

Bundesausschuss der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

VVN-BdA verurteilt völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Venezuela

3. Januar 2026

3. Januar 2026

Frieden, Krieg, Lateinamerika, USA

Mit Entsetzen nimmt die VVN-BdA zur Kenntnis, dass auf die völkerrechtswidrigen US-Militäreinsätze gegen venezolanische Schiffe und Boote nun ein großangelegter Militäreinsatz im Landesinnern gefolgt ist. Strategie und Taktik der USA orientieren sich dabei ganz offensichtlich an der US-Politik der 70er und 80er Jahre in Lateinamerika. Handlungsleitend ist dabei weiterhin die sogenannte Monroe-Doktrin nach der die USA die unabänderliche Vormachtstellung in Mittel- und Südamerika haben sollten. Die Botschaft an die anderen lateinamerikanischen Staaten ist klar: die USA nehmen ihren „Hinterhof“ wieder in Besitz und wer sich den US-amerikanischen Interessen nicht beugt, muss mit härtesten Konsequenzen rechnen.

Unabhängig davon, wie die Regierung Maduro politisch einzuschätzen ist, führt das Vorgehen der Trump-Administration zu einer weiteren Implosion regelbasierten Vorgehens in der Weltpolitik. Mit Donald Trump und seiner Administration sind eine regelbasierte Ordnung und Rechtsstaatlichkeit nicht möglich und Frieden unerreichbar.

Wir fordern die Bundesregierung auf, diesen Angriff zu verurteilen und der Erosion des Völkerrechts mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten.

USA raus aus Venezuela – Lateinamerika ist kein „Hinterhof“!

Zum 100. Geburtstag von Steffi Wittenberg

15. Dezember 2025

Am 15. Februar 2026 wäre Steffi Wittenberg, geb. Hammerschlag 100 Jahre alt geworden. Viele Kameradinnen und Kameraden der VVN-BdA erinnern sie gut, ebenso Kurt, ihren Ehemann und Wegbegleiter. Sie wissen, dass Steffi diesen sehr runden Geburtstag bestimmt gerne erreicht hätte. Doch es hat nicht geklappt. 2015 ist sie im Alter von 89 Jahren in Hamburg gestorben.

Steffi entstammte einer dem liberalen Judentum verbundenen Hamburger Familie. Als Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte, war sie knapp sieben Jahre alt. Nachdem sie 1935 als „artfremdes Kind“ die Jahnschule, die heutige Ida Ehre Schule, hatte verlassen müssen, wechselte sie in Hamburg auf die Israelitische Töchterschule, die jüdische Mädchenschule.

Steffis Mutter begann sehr frühzeitig, nach einer Ausreisemöglichkeit für die Familie zu suchen. Die Entwicklung verlief wechselhaft und dramatisch, war jedoch im Dezember 1939 gerade noch rechtzeitig erfolgreich. Das kleine Land Uruguay hatte ihr, wie man es heute nennen würde, im Wege des Familiennachzugs Asyl gewährt.

In Uruguay lernte Steffi ihren späteren Ehemann Kurt Wittenberg kennen, einen aus Ostpreußen geflohenen Juden, der in seinem Exilland im Deutschen Antifaschistischen Komitee aktiv war. 1948 folgte sie Kurt nach Texas. Hier engagierten sich beide in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Das führte zu einem Verfahren gegen sie und schließlich dazu, dass sie die USA 1951 verlassen mussten. So kehrte Steffi mit Kurt 1951 in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. 

Mit dem Tag ihrer Rückkehr aus den USA fanden sie Kontakt zur VVN und zu den hier organisierten Verfolgten und Überlebenden der Konzentrationslager und Zuchthäuser. Es folgte ein mehr als sechzigjähriges politisches Leben, gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt, bis zu dessen Tod 2012. Steffi war bis an ihr Lebensende eine aktive und immer wieder gefragte Zeitzeugin. Jedwedes Gedenken muss mit einer Konsequenz verbunden sei, war dabei ihr Leitsatz.

Pünktlich zu Steffis 100. Geburtstag erscheint im Hentrich& Hentrich Verlag eine Biografie über sie. Das Buch ist verfasst von Erika Hirsch, der früheren Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule in Hamburg. Grundlage sind neben einer Fülle von spannenden Originaldokumenten, die Steffi und Kurt hinterlassen haben, mehrere aufgezeichnete lange Zeitzeugeninterviews, die sie in den 1990er-Jahren gegeben haben.

An Steffis Geburtstag lädt die Familie gemeinsam mit der VVN-BdA und dem Auschwitz-Komitee zu einer Erinnerungsveranstaltung ein, und zwar am

Sonntag, 15. Februar 2026. 13:00 Uhr
im Metropolis-Kino
Kleine Theaterstraße 10, 20354 Hamburg,

Willkommen sind all diejenigen, die Steffi gekannt haben, aber auch all jene, die sie noch kennen lernen möchten.

Andreas Wittenberg

AfD-Jugend stoppen!

30. September 2025

Am 29./30.11. will die AfD in Gießen ihre neue Jugendorganisation gründen. Ein Sammelbecken für Faschist*innen, Burschenschaftler, Hooligans und Neonazis. Eine Gefahr für uns alle.
Deswegen: Zehntausende werden nach Gießen fahren, um diesen Kongress zu verhindern – auch aus Hamburg. Um die Busse zu finanzieren und möglichst vielen Menschen eine Anreise zu ermöglichen, sind wir auf Spenden angewiesen.

Hier kannst du unsere Busfahrt finanziell unterstützen

Du möchtest auf dem Laufenden bleiben?
Dann folge uns unter widersetzen.hamburg auf Instagram.

Du möchtest bei mitmachen?
Dann komm zum offenen Treffen gegen Rechts am 4. Donnerstag im Monat im Centro Sociale.
Auch, wenn du nicht mitfahren kannst, gibt es genug vor Ort zu tun, um die Proteste zu ermöglichen!

Positionspapier zu den Opernplänen in Hamburg

3. September 2025

Im Februar stellten Senat, Kühne-Stiftung und Kühne Holding AG ihre Pläne für ein neues Opernhaus auf dem Baakenhöft in der HafenCity vor.
Seitdem gibt es viel Kritik an diesem Vorhaben – und am undemokratischen Verfahren. Trotzdem ist zu erwarten, dass die Pläne bald unverändert der Bürgerschaft zur Abstimmung vorgelegt werden.
Dieses Positionspapier bündelt die Kritikpunkte.
Wir laden alle ein, es zu unterschreiben und damit Einfluss auf das weitere Vorgehen von Senat und Bürgerschaft zu nehmen.

Unterstütze unsere Petition und mach mit!
Zur Petition


Unsere Kritikpunkte

1. Für eine transparente Öffentlichkeitsbeteiligung!

Ob Hamburg eine neue Oper braucht und wie das letzte freie, für öffentliche Nutzung vorgesehene Grundstück in der HafenCity gestaltet wird, darf nicht allein von Milliardären und Regierenden entschieden werden.
Es braucht ein offenes Beteiligungsverfahren.

2. Erinnerung und Aufarbeitung sind keine Worthülsen!

Kühne + Nagel profitierte im Nationalsozialismus massiv von „Arisierungen“.
Das Raubgut wurde am Baakenhafen zwischengelagert.
Mit einer Oper würde Klaus-Michael Kühne sich ein Denkmal setzen – ohne dass die Beteiligung an NS-Verbrechen wirklich aufgearbeitet ist.

3. Für die Bewahrung von Erinnerungsorten!

Der Baakenhafen war Umschlagplatz für Soldaten und Waffen für deutsche Kolonien – und für den Völkermord an den Herero und Nama.
Ein Opernbau würde diesen zentralen Erinnerungsort überschreiben.

4. Für eine Oper in der Innenstadt!

Die denkmalgeschützte Staatsoper an der Dammtorstraße ist gut angebunden und belebt die Innenstadt.
Eine Sanierung für ca. 150 Mio. Euro ist möglich und sinnvoll.

5. Für klimafreundliches Bauen im Bestand!

Ein Neubau verursacht enorme CO₂-Emissionen.
Sanieren ist klimafreundlicher – und hält das Baakenhöft für andere Nutzungen frei.

6. Die neue Oper ist kein selbstloses Geschenk!

Die Stadt müsste über 250 Mio. Euro für Grundstück, Hochwasserschutz, Freiflächen und Infrastruktur tragen – zusätzlich zu laufenden Kosten für Betrieb und Instandhaltung.

7. Nicht noch ein „Leuchtturm“-Projekt!

Mit Elbphilharmonie und Elbtower gibt es bereits teure Prestigeprojekte.
Ein weiteres Symbolbauwerk ist keine Lösung für Hamburg.

8. Für eine lebendige Kultur und breite Kulturförderung!

Kultur ist keine Leistungsschau der „Weltspitze“, sondern lebt von Vielfalt und Vielstimmigkeit.


Unterzeichner*innen

Eine breite Allianz aus Initiativen, Vereinen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und Einzelpersonen unterstützt dieses Positionspapier.

Solidarität mit der Bevölkerung in Gaza und mit der israelischen Friedensbewegung: Den Druck auf die israelische Regierung erhöhen

28. August 2025

Erklärung des Bundessprecher*innenkreises der VVN-BdA vom 22.08.2025

  • Stopp der Offensive zur völkerrechtswidrigen Besetzung Gazas
  • Beendigung der illegalen Landnahme im Westjordanland
  • Waffenstillstand und Verhandlungen für die Freilassung der Geiseln und eine dauerhafte Friedensregelung sofort
  • Umfassende Versorgung der Bevölkerung in Gaza durch die Vereinten Nationen

Hunderttausende Menschen in Israel haben seit Sonntag mit Demonstrationen und Streiks ein Ende des Krieges in Gaza und dem Westjordanland und die Freilassung der verbleibenden Geiseln der Hamas und ihrer Verbündeten gefordert. Das ist ein beachtlicher (Mobilisierungs-) Erfolg der israelischen Demokratie- und Friedensbewegung, der den innenpolitischen Druck auf die Regierung Netanjahu erhöht hat. Jetzt gilt es im Sinne und zusammen mit unseren befreundeten israelischen und palästinensischen Organisationen diesen Druck aufrechtzuerhalten und zu verstärken.

Wir fordern von der deutschen Bundesregierung den sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an Israel.

Die geplante Ausweitung des Krieges, die Wiederbesetzung des Gazastreifens durch israelische Streitkräfte und die Siedlergewalt im Westjordanland sowie die damit einhergehende illegale Landnahme sind nicht durch das Völkerrecht gedeckt. Diese konstanten Brüche des Völkerrechts müssen im Sinne einer ehrlichen und offenen Partnerschaft zwischen der BRD und Israel Konsequenzen haben. Die Menschen in Gaza dürfen nicht auf dem Altar der Interessen der deutschen Rüstungslobby geopfert werden. Wie unsere Freund*innen in Israel sind wir der Überzeugung, dass das derzeitige Vorgehen der israelischen Regierung den Menschen in Israel und Palästina keinen Frieden bringen wird. Der Kampf gegen eine Kultur des Hasses, wie sie beispielsweise die Hamas verkörpert, und die Stärkung demokratischer Strukturen kann nicht mit Waffengewalt erreicht werden.

Weiterhin fordern wir von der Bundesregierung sich an der Lieferung und direkten Verteilung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und weiteren überlebenswichtigen Gütern an die hungernde Bevölkerung in Gaza zu beteiligen.

Es muss dabei sichergestellt werden, dass die Verteilung der Lieferungen nicht durch Abwurf von Paketen aus der Luft, sondern direkt durch die Vereinten Nationen als unabhängige internationale Organisation erfolgt. Falls nötig, müssen die Lieferungen und Verteilstationen von Soldaten unter einem UN-Mandat vor Angriffen geschützt werden. Die Bundesrepublik muss im Sinne einer Beendigung der humanitären Katastrophe im Gazastreifen mit einer auskömmlichen Finanzierung dieser UN-Mission zu einem Gelingen beitragen. 

Wir wünschen unseren Freund*innen in Israel und Palästina weiterhin viel Kraft und Mut. Wir stehen in dem Kampf für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit weiterhin an eurer Seite!

Aufruf zur 333. Mahnwache am Stadthaus

19. August 2025

Am Freitag, den 22. August 2025 laden wir, gemeinsam mit der Initiative Gedenkort Stadthaus, zur 333. Mahnwache ein. Seit 2018 stehen wir Woche für Woche an der Stadthausbrücke, um an die Opfer des NS-Terrors zu erinnern und einen würdigen Gedenkort einzufordern.

Das Stadthaus war während der NS-Zeit die Zentrale von Gestapo und Kriminalpolizei in Hamburg und Norddeutschland. Hier wurden Widerstandskämpfer:innen verhört, gefoltert und in den Tod getrieben. Dieser Ort des Schreckens wurde später zu einem Luxusquartier umgebaut – Hotels, Gastronomie und teure Wohnungen prägen heute das Ensemble. Der versprochene 750 Quadratmeter große Gedenkort schrumpfte auf einen viel zu kleinen Raum zusammen. Themen wie Widerstand fehlen weitgehend, die Verantwortung für das Erinnern wurde privatisiert.

Mit unseren Mahnwachen machen wir sichtbar, dass Hamburg dieser Verantwortung nicht entkommen darf. Wir fordern: Ein würdiger Gedenkort für den Widerstand gehört ins Zentrum der Stadt!

Die 333. Mahnwache findet statt am:
📍 Stadthausbrücke / Ecke Neuer Wall
🕔 Freitag, 22.08.2025, 17–18 Uhr

Wir rufen alle Hamburger:innen auf, sich uns anzuschließen – gegen das Vergessen, für ein würdiges Gedenken und für eine Stadt, die sich ihrer Geschichte stellt.

Noch Plätze frei: Bildungsreise zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im September 2025

4. August 2025

Das Auschwitz-Komitee organisiert im September 2025 wieder eine einwöchige Bildungsreise zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die Fahrt richtet sich an Menschen, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart auseinandersetzen möchten.

Die Reise findet vom 5. bis 12. September 2025 statt. Sie beginnt mit zwei Tagen in Krakow, wo sowohl die Geschichte der Stadt unter deutscher Besatzung als auch das heutige Polen Thema sind. Anschließend wohnt die Gruppe in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim und besucht von dort aus die ehemaligen Lager Auschwitz, Birkenau und Monowitz.
Begleitend gibt es Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsame inhaltliche Arbeit. Die Reise wird gemeinschaftlich vorbereitet und gestaltet, auch die Anerkennung als Bildungsurlaub in Hamburg ist möglich.

Das Auschwitz-Komitee freut sich über interessierte Einzelpersonen oder Kleingruppen, die mitfahren und sich aktiv in die Planung einbringen möchten.

Bei Interesse melden unter:
auschwitzreise@stiftung-auschwitz-komitee.de

Ohlsdorfer Friedensfest 2025 – „80 Jahre. Lange Schatten“

19. Juni 2025

19. Juli – 3. August 2025

Das Ohlsdorfer Friedensfest ist mehr als eine Gedenkveranstaltung – es ist ein aktives, antifaschistisches Zeichen gegen das Vergessen. Unter dem diesjährigen Motto „80 Jahre. Lange Schatten“ widmet sich das Fest den bleibenden Spuren des Nationalsozialismus und den gesellschaftlichen Kontinuitäten und Brüchen nach 1945.

Nicht die Bombennächte von 1943 stehen im Mittelpunkt, sondern ihre Ursachen: der nationalsozialistische Terror, der deutsche Vernichtungskrieg und das millionenfache Leid, das von Deutschland ausging. Gefeiert wird nicht die Zerstörung – gefeiert wird die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ringen um eine demokratische, offene Gesellschaft.

Mit über 17 Veranstaltungen – darunter Vorträge, Musik, Ausstellungen, Stadtteilführungen und künstlerische Interventionen – bietet das Friedensfest Raum für Auseinandersetzung, Austausch und Haltung.

Entstanden ist das Friedensfest als klare Reaktion auf rechte Provokationen: Seit den 2000er Jahren versuchten Neonazis, die Opfer der Luftangriffe auf Hamburg für geschichtsrevisionistische Zwecke zu missbrauchen. Seit 2009 setzt das Bündnis Ohlsdorfer Friedensfest dem Jahr für Jahr einen klaren, offensiven Gegenentwurf entgegen – getragen von Initiativen, Kirchen, Gewerkschaften, Gedenkstätten und vielen engagierten Menschen.

Gerade in Zeiten, in denen rechte Hetze, Geschichtsverdrehung und Angriffe auf demokratische Werte wieder zunehmen, ist das Friedensfest aktueller denn je. Es steht für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, für Erinnerung statt Verdrängung, für eine klare Haltung gegen Rechts – und für die Hoffnung auf eine solidarische Zukunft.

Seid Sie dabei – vom 19. Juli bis 3. August 2025 auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Hier geht’s zum Programm

Zum 90. Todestag von Fiete Schulze

3. Juni 2025

Das Foto stammt aus persönlichem Besitz

Am 6.6. 1935 wurde Fiete Schulze im Hof des damaligen Untersuchungsgefängnisses mit dem Handbeil enthauptet.

Staatsanwalt Stegemann in seinem Plädoyer für die Todesstrafe:
„Seine Zunge ist gefährlicher als Kugeln“.

Der später nur „Fiete“ genannte Schlosser Friedrich Schulze wuchs in einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie in Schiffbek (heute Billstedt) auf, arbeitete nach der Lehre als Nieter auf der Werft „Blohm und Voß“, trat früh der Gewerkschaft bei und ab 1913 der SPD. Fiete gehörte dem Arbeitersportverein „Frei Heil“ an. Kurz nachdem Johanna Schröder und Fiete Schulze heirateten und ihre Tochter Wilmageboren wurde, musste er ab 1915 am Ersten Weltkrieg teilnehmen und wurde 1917 schwer verwundet. Seine beiden Brüder überlebten den Krieg nicht. 1918 kehrte er nach Hamburg zurück

Seine eigenen Erfahrungen der schweren Arbeits-und Lebensbedingungen, seineKriegserfahrungen, der Tod seiner Brüder, die Novemberrevolution und das Selbststudium politischer Schriften machten ihn zu einem engagierten politisch handelnden und kämpfenden Menschen.

Über die USPD kam Fiete zur KPD, beteiligte sich an der Niederschlagung des Kapp-Putsches und wurde in den folgenden Inflations- und Hungerjahren für viele Menschen zum Berater und Vertrauensmann. Als Vize (Vorarbeiter) auf der VeddelerReismühle beschlagnahmte er zum Beispiel gemeinsam mit Kollegen eine Schute mit Reis, um den Erwerbslosen von Schiffbek zu helfenAls sie festgenommen wurden, nahm er die Schuld auf sich, um die anderen zu schützen. 

Als sich Mitte Oktober 1923 die politische Lage in Deutschland zuspitzte, weil die Stresemann-Regierung mit Hilfe der Reichswehr versuchte, die Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen zu Fall zu bringen, organisierte er mit umfassenden Maßnahmen in Schiffbek einen bewaffneten „Hamburger Aufstand“ am 23. Oktober1923 mit, der als Signal für das ganze Land gedacht war. Zwei Tage später war der Aufstand niedergeschlagen und die meisten Aktivisten verhaftet. Fiete Schulze konnte fliehen und fuhr als Matrose auf dem Großsegler „Flora“ der Südamerika-Linie nach Chile, wo er als Hafenarbeiter und im Bergbau Beschäftigung fand. 1925 zurück, lebte er kurze Zeit mit seiner Familie zusammen illegal in Hamburg. Nach einem Studium der Gesellschaftswissenschaften in der Sowjetunion blieb er als Dozent dort. 

Ab Juli 1932 wieder illegal in Hamburg, wo Provokationen und Schlägereien zwischen NSDAP und KPD an der Tagesordnung waren, trat er als Redner auf und organisierte eine Selbstschutzstaffel mit, die er dazu anhielt, sich nicht auf Schlägereien mit Angehörigen der SA einzulassen. Er lehnte individuellen Terror und „Knüppelpolitik“ ab: „Meint ihr, das wäre schon ein Klassenfeind, weil er die SA-Jacke angezogen hat? Nein, Genossen, … er weiß nur nichts von dieser Welt. Man hat ihn auf einen falschen Weg gelockt. Ihr aber wisst Bescheid. Bringt ihn auf den richtigen! Das ist Heldentum. Schießen ist keins.“ 

Denunziert und am 16. April 1933 festgenommen, wurde er im Stadthaus mitbrutalsten Folterungen verhört und von dort direkt ins Untersuchungsgefängnis Holstenglacis gebracht. In Einzelhaft 

isoliert, durfte Fiete über sechs Monate keinen Besuch. Nur zensierte Briefe waren ihm erlaubt. So erfuhr Wilma erst viel später von der Folter und dem Versuch, ihn zu bestechen. 

Ab dem 13. Februar 1935 fand vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht derfünfwöchige Prozess wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und Landfriedensbruchs gegen Fiete Schulze statt. Wilma und ca. 80 bis 90 andere Beobachter waren ständig dabei. Die Öffentlichkeit wurde häufig ausgeschlossen, da Fiete Schulze sich nicht einschüchtern ließ und unbeirrt seine Meinung sagte. Draußen waren einmal alle Straßenschilder beim Oberlandesgericht mit „Fiete-Schulze-Platz“ überklebt. Internationale Proteste, Kundgebungen in Paris, Amsterdam und in anderen Orten hatten keinen Einfluss auf das Urteil. Das Todesurteil stand schon vorher fest.

Am 18. März 1935 wurde Fiete Schulze dreimal zum Tode und zu 260 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Staatsanwalt Stegemann sagte in seinem Plädoyer: „Es gibt kein objektives Recht. Strafrecht ist heute Kampfrecht!“, und schloss mit den Sätzen: „Es wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn dieser Mann mit dem Leben davonkäme. Seine Zunge ist gefährlicher als Kugeln.“ 

Ohne die Möglichkeit zu haben, sich von seiner Familie zu verabschieden, wurde Fiete Schulze am 6. Juni 1935 um 6.00 Uhr im Hof des Untersuchungsgefängnisses in Hamburg mit dem Handbeil1 hingerichtet. 

Erst im Februar 1981(!) hob die Staatsanwaltschaft beim Hanseatischen Oberlandesgericht das Todesurteil gegen Fiete Schulze auf – ein Erfolg des jahrelangen Kampfes seiner Tochter und vieler Unterstützer um Gerechtigkeit.

Dieser Text ist eine (durch H.v.B.) gekürzte, gekürzte und leicht veränderte Fassung des Textes von Chr. Chodinski anlässlich der Stolpersteinlegung für Fiete Schulze. Text und Quellenangaben auf www.stolpersteine-hamburg.de Das Foto stammt aus persönlichem Besitz.

Bundespräsident Heinemann zitierte 1969 anlässlich einer Gedenkrede aus Fiete Schulzes Brief an seine Schwester. (siehe Frankfurter Rundschau v. 21.7.1969)

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Hamburg

  1. Damit gehörte er zu den wenigen Hamburger Widerstandskämpfern, die hier mit einem Handbeil ermordet wurden, weil Karl Kaufmann, Reichsstatthalter von Hamburg, der Meinung war, dass die Guillotine als Erbstück der Französischen Revolution unpassend sei und im Januar 1934 ein eigens dafür geschaffenes Gesetz erließ. Der Hamburger NSDAP-Senator Rothenberger erklärte dem Senat, dass das Handbeil bei der Vollziehung der Todesstrafe dem „deutschen Rechtsempfinden“ entspräche. (siehe: Hinrichtungen in Hamburg und Altona 1933-1945, hrsg von Andreas Seeger und Fritz Treichel) ↩︎

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