„Nazis raus aus Hamburg!“ Die Besetzung des Curio-Hauses 1977 als Erfolg antifaschistischen Widerstands

24. März 2026

„Konkrete Kämpfe, reale Erfolge – Antifaschistischer Widerstand in Hamburg nach 1945“ ist ein (Publikations)Projekt des Arbeitskreis Neofaschismus der VVN-BdA Hamburg. Es beleuchtet zivilgesellschaftliche, politische und kulturelle Interventionen, mit denen in Hamburg seit dem Ende des Nationalsozialismus neonazistische Aktivitäten, geschichtsrevisionistische Projekte und rechte Raumnahme öffentlich benannt, zurückgedrängt oder verhindert wurden. Im Mittelpunkt stehen konkrete Auseinandersetzungen, ihre Akteur*innen und ihre nachweisbaren gesellschaftlichen Wirkungen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Auseinandersetzungen, ihre Akteur*innen und ihre nachweisbaren gesellschaftlichen Wirkungen.


Im Mai 1977 versuchte die rechtsradikale Deutsche Volksunion (DVU) um den Verleger Gerhard Frey, in Hamburg eine Großkundgebung zu organisieren. Als Redner sollte der ehemalige Wehrmachts-Oberst und NS-Propagandist Hans-Ulrich Rudel auftreten. Als Veranstaltungsort war das Curio-Haus vorgesehen – ein Gebäude der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Universitätsviertel. Was als Demonstration neonazistischer Stärke geplant war, entwickelte sich jedoch zu einem Beispiel erfolgreicher antifaschistischer Gegenwehr: Durch Proteste, Mobilisierung und schließlich die Besetzung des Curio-Hauses verhinderten Hamburger Antifaschist*innen die Veranstaltung.

Die DVU, Frey und Rudel: Alte und Neue Rechte auf der Suche nach Öffentlichkeit
1977 war die Deutsche Volksunion (DVU) eine der wichtigsten Organisationen der extremen Rechten in der Bundesrepublik. Sie wurde von dem Münchner Verleger Gerhard Frey, Herausgeber der rechtsextremen National-Zeitung, aufgebaut und verstand sich als Sammelbecken nationalistischer und rechtsradikaler Kräfte. Über ihre Medien, Kampagnen und öffentlichen Veranstaltungen versuchte die DVU, geschichtsrevisionistische Positionen zu verbreiten und zugleich eine organisatorische Plattform für die extreme Rechte zu schaffen.

Die geplante Veranstaltung im Hamburger Curio-Haus sollte genau diesem Zweck dienen. Mit der Einladung des ehemaligen Wehrmachtsobersts Hans-Ulrich Rudel setzte die DVU bewusst auf eine Symbolfigur des militärischen Nationalsozialismus. Rudel hatte sich auch nach 1945 nie vom NS-Regime distanziert und bewegte sich offen in internationalen rechtsextremen Netzwerken. Für die extreme Rechte galt er als identitätsstiftende Figur, die eine vermeintliche Kontinuität zwischen Wehrmacht, Nationalsozialismus und der neuen rechten Szene herstellen sollte.

Frühe Warnungen: Die VVN wird aktiv
Zu den ersten Organisationen, die auf die geplante DVU-Kundgebung reagierten, gehörte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Bereits am 25. April 1977 wandte sich die Hamburger VVN in einem Schreiben an die GEW und forderte sie auf, der DVU keine Räume zur Verfügung zu stellen. Die Einladung an Rudel wurde als gezielte politische Provokation verstanden.

Die VVN spielte damit eine zentrale Rolle bei der Initialzündung des Widerstands. Ihr Appell machte deutlich, dass die geplante Veranstaltung nicht als gewöhnliche politische Versammlung betrachtet werden konnte, sondern als Versuch der extremen Rechten, öffentlich Raum zu gewinnen und NS-Ideologie zu rehabilitieren.

Aus der wachsenden Empörung entstand bald ein breites Bündnis. Unter dem Motto „Nazis raus aus Hamburg“ formierte sich ein Zusammenschluss antifaschistischer Gruppen, Gewerkschaften, Parteien, kirchlicher Initiativen und studentischer Organisationen.

Hamburg als Ziel rechter Treffen
Die geplante DVU-Veranstaltung im Curio-Haus fiel nicht aus heiterem Himmel. Bereits in den Jahren zuvor hatte die extreme Rechte wiederholt versucht, Hamburg als Treffpunkt für ihre Aktivitäten zu nutzen. Mitte der 1970er Jahre kam es mehrfach zu rechtsextremen Zusammenkünften und Versuchen größerer Veranstaltungen. 1975 sollte etwa ein internationales Treffen ehemaliger SS-Angehöriger stattfinden, und auch Organisationen wie die HIAG, der Zusammenschluss ehemaliger Waffen-SS-Mitglieder, traten in der Stadt öffentlich auf.

Diese Aktivitäten stießen regelmäßig auf Protest von antifaschistischen Gruppen, Gewerkschaften und demokratischen Initiativen. Vor diesem Hintergrund wurde der Auftritt von Rudel und Frey im Curio-Haus als besonders provokanter Versuch verstanden, der extremen Rechten erneut öffentliche Präsenz zu verschaffen.

„Nazis raus aus Hamburg!“ – Der Aufruf zum Protest
Gegen die geplante DVU-Veranstaltung formierte sich rasch ein breites Bündnis. Im Initiativkreis „Nazis raus aus Hamburg“ arbeiteten antifaschistische Gruppen, Gewerkschaften, Parteien, kirchliche Initiativen und studentische Organisationen zusammen. Zu den aktiven Kräften gehörten unter anderem der Landesjugendring, die Jungsozialisten, studentische Gruppen sowie Organisationen aus dem Umfeld der antifaschistischen Bewegung. Auch die VVN unterstützte die Mobilisierung und trug dazu bei, den Protest frühzeitig öffentlich sichtbar zu machen.

Das Bündnis mobilisierte mit Flugblättern, Veranstaltungen und einer eigenen Zeitung gegen die geplante DVU-Kundgebung. Im Aufruf hieß es: „Am Sonntag, den 15. Mai, planen neofaschistische Kräfte eine provokatorische Großkundgebung in Hamburg, auf der die Idole neonazistischer Terrorgruppen, Rudel und Frey, sprechen sollen.“ Der Aufruf erinnerte zugleich an die historischen Verbrechen des Nationalsozialismus: „Ein solcher Naziaufmarsch ist eine Beleidigung für alle Bürger Hamburgs, die von der braunen Vergangenheit ein für allemal genug haben.“

Für Samstag, den 14. Mai 1977, rief der Initiativkreis zu einer großen antifaschistischen Kundgebung auf der Moorweide auf – nur wenige Schritte vom Curio-Haus entfernt. Sie wurde zum Ausgangspunkt der späteren Besetzungsaktion.

Die peinliche Rolle des Studentenwerks
Der Konflikt entwickelte sich rasch zu einem öffentlich geführten „Streit um die Räume“. Hamburger Zeitungen berichteten mehrere Tage lang über die Auseinandersetzung um die Vermietung des Curio-Hauses – von ersten Meldungen über „Ärger wegen Saalvermietung“ (Die Welt, 6. Mai 1977) bis zu Berichten über juristische Schritte der DVU, den Auftritt Rudels gerichtlich durchzusetzen (Die Welt, 11. Mai 1977).

Dass es überhaupt zu dieser Situation kam, lag auch an einer bemerkenswerten Entscheidung des Studentenwerks Hamburg, das den großen Saal des Curio-Hauses – eines Gebäudes im Eigentum der GEW, das an das Studentenwerk verpachtet war – an die DVU vermietet hatte. Die Erklärung für diese Entscheidung sorgte selbst in bürgerlichen Medien für Spott. In einem Pressebericht erklärte ein Vertreter des Studentenwerks: „Da kommt jemand zu Ihnen und sagt, er sei von der Deutschen Volksunion … ich wußte nicht, was Deutsche Volksunion ist.“ Man habe zunächst sogar angenommen, es handele sich um eine andere Organisation: „Im Hinblick auf das Wort ‚Volk‘ haben wir an einen linken Verein gedacht.“ Erst später habe man erkannt, an wen man vermietet hatte – und sei „von einem Schrecken in den anderen gefallen“ (Die Welt, 5. Mai 1977).

Diese Episode machte deutlich, wie fahrlässig mit der Vergabe öffentlicher Räume umgegangen wurde.

Proteste, juristische Manöver und politische Ausflüchte
Als der Protest gegen die DVU-Veranstaltung wuchs, versuchten Vermieter und Behörden, die Entscheidung rückgängig zu machen. Gleichzeitig versuchte die DVU, ihre Veranstaltung gerichtlich zu erzwingen und erwirkte zeitweise einstweilige Verfügungen.

Die Reaktionen offizieller Stellen blieben jedoch auffällig defensiv. Auch die GEW, die sich zwar gegen die Veranstaltung aussprach, begründete ihre Haltung vor allem mit ordnungspolitischen Argumenten. Statt eine klare antifaschistische Position einzunehmen, verwiesen die Verantwortlichen vor allem auf mögliche „Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ oder drohende Sachbeschädigungen.

Neonazistische Aktivitäten wurden damit nicht grundsätzlich politisch zurückgewiesen, sondern vor allem als ordnungsrechtliches Problem behandelt.

Die Besetzung des Curio-Hauses
Am 14. Mai 1977 folgten rund 700 Menschen den Aufrufen des Landesjugendrings, der Jungsozialisten, des AStA der Uni Hamburg und der im Initiativkreis „Nazis raus aus Hamburg“ arbeitenden Gruppen und versammelten sich zu einer antifaschistischen Kundgebung auf der Moorweide nahe dem Curio-Haus. Nach der Kundgebung zogen viele Teilnehmer*innen gemeinsam zum Curio-Haus. Etwa hundert von ihnen betraten das Gebäude und besetzten den großen Saal, um die geplante Veranstaltung der DVU zu verhindern.

Schon bald verwandelte sich das Gebäude in einen sichtbaren Ort des antifaschistischen Protests. Banner und Transparente schmückten die Fassade, Flugblätter wurden verteilt, Menschen diskutierten im Eingangsbereich und im Innenhof. Auf zeitgenössischen Fotografien ist zu sehen, wie das Curio-Haus von Demonstrierenden umgeben war und mit politischen Parolen geschmückt wurde – ein symbolischer Ausdruck dafür, dass dieser Raum nicht der extremen Rechten überlassen werden sollte.

Im Laufe des Nachmittags beschlossen die Besetzer*innen, die Aktion mit einem „Besetzungsfest“ zu verbinden und bis zum nächsten Tag im Gebäude zu bleiben. Immer mehr Menschen kamen hinzu, brachten Essen, diskutierten und informierten Passant*innen über den Hintergrund der Aktion.

Am Abend baten Vertreter des Studentenwerks, der Behörde für Wissenschaft und Kunst und der GEW die Besetzer*innen, das Gebäude zu verlassen. Gleichzeitig hatte der zuständige Senator Dieter Biallas bereits verfügt, der DVU keine Räume im Curio-Haus zur Verfügung zu stellen.

Die Besetzung blieb bestehen – und wurde über Nacht zu einem weithin sichtbaren Zeichen antifaschistischen Widerstands.

Die DVU muss ausweichen
Am 15. Mai 1977 blieb das Curio-Haus fest in der Hand der Besetzer*innen. Transparente und Flugblätter machten das Gebäude weithin sichtbar zum Ort des antifaschistischen Protests.

Gegen Mittag trafen schließlich mehrere hundert Anhänger der Deutschen Volksunion ein und versuchten, Zugang zum Gebäude zu erhalten. Doch die Eingänge waren blockiert.

Zwischen beiden Gruppen stand die Polizei. Während DVU-Anhänger vor dem Gebäude standen und versuchten, Zugang zu erhalten, blieb das Curio-Haus selbst unzugänglich.

Schließlich musste die DVU ihre geplante Großveranstaltung aufgeben und wich in eine Gaststätte an der Osdorfer Landstraße in Hamburg-Bahrenfeld aus, wo nur noch eine deutlich kleinere Versammlung stattfinden konnte.

Organisierter Widerstand zeigt Wirkung
Die Verhinderung der DVU-Veranstaltung im Curio-Haus war kein Zufall, sondern das Ergebnis entschlossener antifaschistischer Mobilisierung. Die VVN, die früh vor der Veranstaltung warnte und die GEW zum Handeln aufforderte, spielte dabei eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit den im Initiativkreis „Nazis raus aus Hamburg“ zusammengeschlossenen Gruppen, Jugendorganisationen und studentischen Initiativen entstand innerhalb kurzer Zeit ein breites Bündnis. Demonstration, öffentliche Aufklärung und schließlich die Besetzung des Curio-Hauses griffen ineinander.

Die Aktion gehört damit zu den prägenden Beispielen antifaschistischen Widerstands in Hamburg nach 1945 – und zeigt bis heute: Rechte Raumnahme ist kein Naturgesetz – sie kann durch entschlossenen antifaschistischen Widerstand verhindert werden. Oder, wie es auf den Flugblättern jener Tage hieß: „Nazis raus aus Hamburg!“

Der DVU gelang es zwar später zeitweise, als rechtsextreme Wahlpartei in mehrere Landesparlamente einzuziehen. Politisch blieb sie jedoch stark vom Medienimperium ihres Gründers Gerhard Frey abhängig und verlor nach dessen Rückzug zunehmend an Bedeutung. 2011 ging sie schließlich in der NPD auf.

Bildstrecke (Quelle: Archiv des Instituts für Zeitgeschichte (FZH)
Aufruf: „Nazis raus aus Hamburg!“

Der Initiativkreis „Nazis raus aus Hamburg“ mobilisierte mit Flugblättern und einer eigenen Zeitung gegen die geplante DVU-Veranstaltung im Curio-Haus. Der Aufruf erinnerte an die Verbrechen des Nationalsozialismus und rief zu einer antifaschistischen Kundgebung am 14. Mai 1977 auf der Moorweide auf.

Flugblatt zur Besetzung des Curio-Hauses

Mit diesem Flugblatt erklärten Hamburger Antifaschist*innen die Besetzung des Curio-Hauses. Darin heißt es: „In Erwägung, daß die Faschisten Rudel und Frey nichts zu suchen haben in Hamburg … haben wir beschlossen, das Curio-Haus exemplarisch zu besetzen.“

Brief der VVN an die GEW

Bereits am 25. April 1977 wandte sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) an die GEW. In dem Schreiben wurde gefordert, der DVU keine Räume im Curio-Haus zur Verfügung zu stellen.

Zeitungsbericht über den Konflikt

Zeitungsartikel aus dem Mai 1977 berichten über den politischen Konflikt um die Vermietung des Curio-Hauses an die DVU und die Besetzung.

Protest und Besetzung des Curio-Hauses

Fotos der Besetzung zeigen das Curio-Haus mit Transparenten und Demonstrierenden. Die Aktion machte sichtbar, dass dieser Ort nicht der extremen Rechten überlassen werden sollte.

Die geplante Großveranstaltung der DVU konnte hier schließlich nicht stattfinden.

Quellen
Archiv des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), Sammlung Curio-Haus-Besetzung Hamburg 1977

  • AStA Universität Hamburg: AStA Info „Nazis raus aus Hamburg“, Mai 1977.
  • Hamburger Antifaschisten: Flugblatt „Wir haben das Curio-Haus besetzt!“, Erklärung zur Besetzung des Curio-Hauses, Hamburg, Mai 1977.
  • Initiativkreis „Nazis raus aus Hamburg“: Zeitung zur geplanten DVU-Veranstaltung und zur Mobilisierung gegen den Auftritt von Hans-Ulrich Rudel und Gerhard Frey / Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung auf der Moorweide, Hamburg, Mai 1977, Hamburg, Mai 1977.
  • SSB (Sozialistischer Studentenbund): Flugschrift „Curio-Haus besetzt – Faschisten-Veranstaltung verhindert!“, Bericht über die Besetzung des Curio-Hauses, Hamburg, Mai 1977.
  • Studentenwerk Hamburg / GEW Hamburg / Behörde für Wissenschaft und Kunst: Gemeinsame Erklärung zur Situation im Curio-Haus während der Besetzung, Hamburg, 14. Mai 1977.
  • VVN Hamburg: Brief an den Vorstand der GEW Hamburg zur geplanten DVU-Veranstaltung im Curio-Haus, Hamburg, 25. April 1977.

Zeitungsberichte

  • „Im Curio-Haus geht der Schrecken um …“, in: Die Welt, 5. Mai 1977.
  • „Ärger wegen Saalvermietung“, in: Frankfurter Rundschau, 7. Mai 1977.
  • „DVU will Rudels Auftritt jetzt vor Gericht erzwingen“, in: Die Welt, 11. Mai 1977.
  • „Volksunion darf im Curio-Haus tagen“, in: Die Welt, 13. Mai 1977.
  • „Biallas gegen Radikale“, in: Mopo, 13. Mai 1977
  • „Kundgebungsverbot verlangt“, Agenturmeldung (AP), 13. Mai 1977.
  • „Störversuche vergeblich: Volksunion tagte“, in: Hamburger Abendblatt, 16. Mai 1977
  • „Linksradikale verhindern das Treffen von 400 Rechtsradikalen“, in: Die Welt, 16. Mai 1977
  • Berichte zur verhinderten DVU-Veranstaltung und zur Ausweichveranstaltung in Bahrenfeld, 15.–16. Mai 1977.

8. Mai 1945 – Tag der Befreiung

24. März 2026

Chance für Frieden und Demokratie in Europa

Für die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer:innen war der 8. Mai 1945 die „Morgenröte der Menschheit, wie der als Jude und Kommunist verfolgte Résistance Kämpfer Peter Gingold es ausdrückte. Die offizielle Sicht blieb indessen noch Jahrzehnte die der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteur:innen und Mitläufer:innen: sie sprachen von Zusammenbruch, Kapitulation und Besatzern. Für uns Nachgeborene sind und bleiben die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, auch unsere Befreier:innen. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der deutsche antifaschistische Widerstand dazu geleistet hat. Heute, nachdem es kaum noch überlebende „Zeitzeug:innen“ gibt, hat Geschichtsrevisionismus – von Relativierung bis gar zur Heroisierung der deutschen Vergangenheit – Konjunktur. Mit unserem Fest am 8. Mai wollen wir die Befreiung von Nazi-Terror, Vernichtungskrieg und Völkermord als Grundlagen für ein Leben in Frieden, Freiheit und Vielfalt feiern und zugleich deutlich machen, wie notwendig es ist, diese Errungenschaften zu verteidigen.

Nie wieder Faschismus!

Derzeit erleben wir eine drastische gesellschaftliche Rechtsentwicklung. Die AfD liegt in den aktuellen Umfragen bundesweit bei rund 25%. Doch rechte Politik geht nicht nur vom äußeren Rand der Gesellschaft und der AfD aus. Auch wenn die extreme Rechte die Grenze des Sagbaren immer weiter verschiebt, setzen die regierenden Parteien die Forderungen willentlich um. Ein massiver Sozialabbau wird konsequent vorangetrieben, während erkämpfte Grundrechte zunehmend angegriffen werden. Die GEAS-Reform stellt nur die Spitze des Eisbergs einer immer menschenfeindlicheren Politik dar. Die Meinungsfreiheit wird weiter eingeschränkt, Antifaschismus kriminalisiert, und Berufsverbote drohen wieder und mit dem geplanten Gesetz zur Regelanfrage im öffentlichen Dienst könnten Berufsverbote wieder eingeführt werden. Es zeichnet sich ein immer autoritärer werdender Staat ab, der die Interessen einiger weniger durchsetzt.

Nie wieder Krieg!

Weltweit nehmen Verteilungskriege zwischen den Großmächten zu. Das sehen wir aktuell in Lateinamerika, Afrika, im Nahen Osten, in Europa und im Südchinesischen Meer. Zur Sicherung von Handelsrouten, Absatzmärkte und Ressourcen wird immer mehr auf Krieg gesetzt. Als drittgrößte Volkswirtschaft will Deutschland  immer mehr Einfluss gewinnen. In diesem Zusammenhang wird in schnellem Tempo aufgerüstet. Mehr als 500 Milliarden Sondervermögen stehen für Militärausgaben bereit. Unternehmen wie Rheinmetall machen Milliardengewinne. Die Zunahme der militärischen Produktion geht einher mit einer umfassenden Militarisierung der gesamten Gesellschaft: Von der Wiedereinführung der Wehrpflicht, über den Angriff auf die Zivilklausel bis zu zivilmilitärischer Zusammenarbeit wie bei Red Storm Alpha  bis Charly.  Bezahlt wird das mit dem Abbau des Sozialstaats: Kürzungen in Bildung, Gesundheit und ziviler Infrastruktur. Wir als breite Bevölkerung sind die Leidtragenden dieser massiven Aufrüstung. Wer sich dagegen stellt, hat mit Repressionen zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund stellen wir uns der Rechtsentwicklung ebenso entgegen wie der Aufrüstung und Militarisierung. Es ist unsere Aufgabe, den weiteren Aufstieg der AfD und anderer rechter Kräfte zu verhindern. Wir stehen dabei an der Seite all derer, die stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Dem zunehmenden Rassismus, der Queerfeindlichkeit, dem Antisemitismus und allen weiteren Formen der Menschenfeindlichkeit widersetzen wir uns mit aller Kraft. Als Bündnis stehen wir für eine Stärkung des Völkerrechts und internationaler Institutionen zur friedlichen Konfliktlösung. Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete sind keine Alternative für diplomatische Lösungen. Jede Nation hat das Recht, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Internationale Solidarität bedeutet das Eintreten für diese demokratische Selbstbestimmung und richtet sich gegen Nationalismus und imperiale Einmischung.

Den 8. Mai ein Feiertag!

Wir wollen am 8. Mai an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung erinnern und diese als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung der neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben.

Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann.Das ist überfällig seit 8 Jahrzehnten …“
(in memoriam Esther Bejarano)

80 Jahre Curiohaus-Prozesse

26. Februar 2026

Im Frühjahr 2026 erinnert die Veranstaltungsreihe „80 Jahre Curiohaus-Prozesse“ an die britischen Militärgerichtsverfahren, die zwischen 1945 und 1949 im Hamburger Curiohaus stattfanden. Im Gebäude der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wurden damals in 188 Verfahren insgesamt 504 Angeklagte wegen nationalsozialistischer Verbrechen vor Gericht gestellt – insbesondere im Zusammenhang mit dem KZ Neuengamme und seinen zahlreichen Außenlagern.

Gemeinsam mit der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen, der GEW Hamburg und weiteren Partner*innen beteiligen wir uns an dieser Reihe. Sie nimmt die historische Bedeutung der Curiohaus-Prozesse in den Blick und fragt zugleich nach ihrer Gegenwartsrelevanz: Wie wurde nach 1945 Recht gesprochen? Welche Rolle spielten Überlebende als Zeug*innen? Wer wurde zur Verantwortung gezogen – und wer entging der Strafverfolgung? Und was folgt daraus für unseren antifaschistischen Auftrag heute?

Für uns als VVN-BdA Hamburg ist die Auseinandersetzung mit den Curiohaus-Prozessen untrennbar mit dem Schwur der befreiten Häftlinge von Buchenwald verbunden: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht.“ Angesichts zunehmender Geschichtsrevisionismen und rechter Ideologien bleibt dieser Anspruch aktuell.

Wir beteiligen uns mit eigenen Beiträgen an der Reihe und laden herzlich zur Teilnahme ein.
Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, teilweise ist eine Anmeldung erforderlich.

Das vollständige Programm mit allen Terminen und Informationen findet ihr hier

Das Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof darf nicht scheitern!

27. Januar 2026

APPELL: In Sorge um den Stillstand in der Realisierung des Dokumentationszentrums denk.mal Hannoverscher Bahnhof haben 44 Personen, die seit Jahrzehnten an der Verwirklichung dieses wichtigen Gedenkortes arbeiten, einen Appell an den Hamburger Senat und den privaten Investor gerichtet.

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister Dr. Tschentscher,
sehr geehrter Herr Müller-Spreer!

Als Personen, die sich seit über zwei Jahrzehnten für ein Dokumentationszentrum in der HafenCity zur Erinnerung an die von 1940 bis 1945 erfolgten Deportationen vom ehemaligen Hannoverschen Bahnhof einsetzen, sind wir tief besorgt über Nachrichten, wonach die Realisierung dieses Projekts gefährdet ist. Nichts weniger als die Glaubwürdigkeit der Stadt und die Vertragstreue des Investors stehen hier auf dem Spiel.

Ein kurzer Rückblick: Vor über 20 Jahren begann ein mehrjähriger Beteiligungsprozesses mit Kolloquien und Werkstattgesprächen. Mit dem Wettbewerb 2009 über die Gestaltung des Lohseparks, der Erarbeitung eines Grundkonzeptes und einer Modifikation des Masterplans HafenCity wurden im Doppelhaushalt 2011/2012 die Mittel für die Errichtung der Gedenk­stätte Hannoverscher Bahnhof bereitgestellt. Die HafenCity Hamburg GmbH verkündete, dass „die Fertigstellung des Dokumentationszentrums […] nach Sicherung der Finanzierung für 2012/2013 vorgesehen“ sei. Probleme bei der Grundstücksverfügbarkeit und der Realisierungsträgerschaft verzögerten das von einem Beirat begleitete Vorhaben um Jahre.

Im Zuge der Fertigstellung des Lohseparks entstand immerhin mit der Fuge entlang der Gleise und den Überresten des ehemaligen Bahnsteigs 2 ein Gedenkort mit Namenstafeln der über 8000 aus Hamburg deportierten Jüdinnen und Juden, Sintizze und Sinti, Romnja und Roma. Die Einweihung am 10. Mai 2017 fand bundesweit große Beachtung.

Auch erfolgte 2017 der Vertragsabschluss über das für das Dokumentationszentrum vorge­sehene Grundstück und dessen Bebauung mit einem Bürogebäude. Für die im Erdgeschoss geplante ca. 1000qm große Ausstellungsfläche wurde zwischen dem Käufer/Investor Harm Müller-Spreer und der Stadt ein Vertrag über ein 200 Jahre währendes mietfreies Dauernut­zungsrecht geschlossen. Der Bund sagte im Dezember 2018 eine 50-prozentige Förderung der Ausstellungserarbeitung zu.

Im Februar 2020 begann der Bau mit einem gemeinsamen Spatenstich. Sie, Herr Müller-Spreer, hoben in der anschließenden Veranstaltung hervor, dass dieses Bauvorhaben für Sie eine große Ehre und angesichts Ihrer eigenen Familiengeschichte auch eine innere Verpflichtung sei. Als Anfang 2021 die Medien über die geplante Vermietung der Büroflächen an die Firma Wintershall Dea AG berichteten, führte dies angesichts deren NS-belasteter Vergangenheit zu öffentlicher Kritik und Protesten. In dem daraufhin einge­leiteten Mediationsverfahren führte das Angebot des Investors, an einem eigenständigen Standort ein Ausstellungsgebäude im Rohbau auf seine Kosten zu errichten, zu einer Einigung. Sie, Herr Müller-Spreer, erklärten gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Es war mir ein Herzens­wunsch, das Dokumentationszentrum von der Seite ins Zentrum des Parks zu rücken und einen Lernort für künftige Generationen zu schaffen“.

Nachdem im April 2022 der Schenkungsvertrag abgeschlossen, das Dauernutzungsrecht aufgehoben und im März 2023 der Wettbewerb für das Solitärgebäude entschieden war, hätte nach Abschluss der erforderlichen Vergabeverfahren und plane­rischen Anpassungen der Bauantrag vorbereitet und gestellt werden können. Am 30. September 2025 teilte der Senat jedoch mit, dass derzeit die Planungsarbeiten ruhen, „da der Schenker diese bis zur Klärung steuerrechtlicher Fragen zur Absetzbarkeit seiner Aufwendungen unterbrochen hat“ (Drs. 23/1557).

Durch den bisher entstandenen Zeitverzug ist das noch überall genannte Eröffnungsdatum 2026/2027 inzwischen völlig illusionär. Wegen des Ablaufs der bereits bis 2026 verlängerten Frist für die Förderung des Ausstellungsvorhabens droht eine Rückzahlungsaufforderung des Bundes. Ein weiteres Problem: Der Schenkungsvertrag räumt für den Fall einer bis zum 28. Februar 2028 nicht vorliegenden Baugenehmigung beiden Seiten den Ausstieg aus dem Vertrag ein.

Das geplante Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof ist der bislang einzige Gedenkort in Norddeutschland, der Shoah und Porajmos  gemeinsam in den Blick nimmt und die Einbettung der rassistischen Ausgrenzung und der Deportationen in die national­sozialistische Gesellschaft zeigt. Trotz aller Fortschritte in der Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur, von denen das im September 2023 vom Senat in die Bürgerschaft eingebrachte Gedenkstättenkonzept zu berichten weiß (Drs. 22/13023), droht Hamburg im Falle eines Scheiterns des Dokumentationszentrums in der HafenCity ein schwerer Schaden. Dass auch die allerletzten der wenigen Überlebenden der Deportationen den von ihnen erstrittenen Informationsort nicht mehr erleben werden, wäre schon tragisch und schwer hinnehmbar. Wenn aber in einer Zeit, in der vor dem Hintergrund des Anstiegs des Rechts­extremismus bei jungen Menschen die fehlenden Zeitgeschichtskenntnisse beklagt werden und zugleich die Forderungen nach einem Schlussstrich unter das Erinnern immer lauter werden, ein den Betroffenenverbänden und der Öffentlichkeit vielfach versprochenes Dokumentationszentrum ad acta gelegt würde, wäre dies für die Hamburger Erinnerungs­kultur eine Bankrotterklärung.

Der Hamburger Senat hat sich für den Wiederaufbau der infolge des Novemberpogroms von 1938 zerstörten Bornplatzsynagoge und für die Prüfung der Errichtung eines Jüdischen Museums als Orte für die Repräsentanz jüdischer Gegenwart und Geschichte ausgesprochen. Gerade weil es sich hierbei um „kein Holocaust-Museum“ handeln soll, gilt es, das Scheitern des Dokumentationszentrums zu verhindern. Ansonsten hätte die Vermittlung der Verfolgungs- und Deportationsgeschichte in Hamburg keinen Ort.

Die Hamburger Regierungsparteien haben in ihrem Koalitionsvertrag 2025 unter der Überschrift „Erinnern für die Zukunft“ erklärt: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns darum kümmern, das Bewußtsein für unsere historische Verant­wortung hochzuhalten. Unsere Erinnerungskultur ist eine wesentliche Grundlage unserer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. Deshalb werden wir das Gedenkstätten­konzept systematisch umsetzen und insbesondere […] das Dokumentationszentrum Hanno­verscher Bahnhof realisieren.“ (Koalitionsvertrag SPD-GRÜNE vom 24. April 2025, S. 120)

Wir fordern deshalb Sie, Herr Dr. Tschentscher, und den Senat dazu auf, nicht wortbrüchig zu werden. Zugleich appellieren wir an Sie, Herr Müller-Spreer: Beenden Sie den Planungsstopp, stehen Sie zu Ihren im Schenkungsvertrag abgegebenen Versprechen und fügen Sie der Erinnerungskultur in Ihrer Heimatstadt Hamburg keinen weiteren Schaden zu!

Wenn auch Sie den Appell unterstützen möchten, bitte hier klicken!

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Gegen jeden Antisemitismus, Antiziganismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit!

27. Januar 2026

Vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, das zum Symbol des Holocaust und der Mordmaschinerie des deutschen Faschismus wurde.

Allein in Auschwitz wurden 1,5 Millionen Menschen ermordet, darunter mindestens 1,1 Millionen europäische Jüdinnen und Juden.  Zu den Ermordeten gehörten auch Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, politische Gegner*innen, als „asozial“ Diffamierte und Homosexuelle. Millionen weitere wurden in anderen Vernichtungslagern und Ghettos, durch Erschießungskommandos, Aushungern und Todesmärsche ermordet.

Die beispiellose industrielle Vernichtung von Millionen Menschen ist historisch einzigartig. Auch daran haben Konzerne verdient, so wie die IG Farben mit dem Betrieb des Komplexes Monowitz und der Herstellung des Giftgases Zyklon B.

Wir gedenken heute aller Opfer des deutschen Faschismus.  Es ist eine unserer zentralen Aufgaben, das Gedenken an die Ermordeten wach zu halten – besonders jetzt, wo die Erinnerung an sie zu verblassen droht und nur noch wenige Zeitzeug*innen von den Gräueln berichten können.

Wir erneuern unseren Dank an die Rote Armee, die dem Morden in Auschwitz ein Ende bereitete. Erst durch den gemeinsamen Kampf alliierter Soldat*innen, Widerstandskämpfer*innen und Partisan*innen aus vielen Ländern konnte der deutsche Raub- und Vernichtungsfeldzug erst beendet werden. 

Das Gedenken an die Opfer des deutschen Faschismus ist für uns stets Mahnung und Auftrag, das historische Wissen der folgenden Generationen zu stärken und Fälschungen entgegenzutreten. Wenn Unrecht und Ausgrenzung zur Normalität werden, gegen Geflüchtete gehetzt wird, Menschen ihrer Rechte und ihrer Würde beraubt und die Verbrechen der Nazis relativiert oder gar verherrlicht werden, müssen sich alle demokratischen Kräfte diesen Tendenzen widersetzen. Denn: Es fing nicht mit den Gaskammern an, sondern mit Ausgrenzung und politischer Repression, mit Berufsverboten, medialer Hetze und rassistischen Gesetzen. Was geschehen ist, konnte nur geschehen, weil ein großer Teil der Deutschen sich direkt oder indirekt am Morden beteiligte und noch viel mehr wegsahen und Nazi-Terror, Vernichtungskrieg und Völkermord hinnahmen. Nie wieder! darf nicht Phrase bleiben, sondern muss die gesellschaftlichen Debatten und das Handeln leiten.

Nie wieder! heißt, aktiv zu werden, wenn Menschen aufgrund äußerer Merkmale, Herkunft, sexueller Orientierung, ihres Glaubens oder ihrer politischen Orientierung diskriminiert werden. Wir stehen fest an der Seite derer, die von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit oder Behindertenfeindlichkeit betroffen sind.

Nie wieder! heißt, die Kriminalisierung und Repression gegen Antifaschist*innen zurückzuweisen.

Nie wieder! heißt, sich dafür einzusetzen, dass die AfD verboten wird!

Bundesausschuss der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

VVN-BdA verurteilt völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Venezuela

3. Januar 2026

3. Januar 2026

Frieden, Krieg, Lateinamerika, USA

Mit Entsetzen nimmt die VVN-BdA zur Kenntnis, dass auf die völkerrechtswidrigen US-Militäreinsätze gegen venezolanische Schiffe und Boote nun ein großangelegter Militäreinsatz im Landesinnern gefolgt ist. Strategie und Taktik der USA orientieren sich dabei ganz offensichtlich an der US-Politik der 70er und 80er Jahre in Lateinamerika. Handlungsleitend ist dabei weiterhin die sogenannte Monroe-Doktrin nach der die USA die unabänderliche Vormachtstellung in Mittel- und Südamerika haben sollten. Die Botschaft an die anderen lateinamerikanischen Staaten ist klar: die USA nehmen ihren „Hinterhof“ wieder in Besitz und wer sich den US-amerikanischen Interessen nicht beugt, muss mit härtesten Konsequenzen rechnen.

Unabhängig davon, wie die Regierung Maduro politisch einzuschätzen ist, führt das Vorgehen der Trump-Administration zu einer weiteren Implosion regelbasierten Vorgehens in der Weltpolitik. Mit Donald Trump und seiner Administration sind eine regelbasierte Ordnung und Rechtsstaatlichkeit nicht möglich und Frieden unerreichbar.

Wir fordern die Bundesregierung auf, diesen Angriff zu verurteilen und der Erosion des Völkerrechts mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten.

USA raus aus Venezuela – Lateinamerika ist kein „Hinterhof“!

Zum 100. Geburtstag von Steffi Wittenberg

15. Dezember 2025

Am 15. Februar 2026 wäre Steffi Wittenberg, geb. Hammerschlag 100 Jahre alt geworden. Viele Kameradinnen und Kameraden der VVN-BdA erinnern sie gut, ebenso Kurt, ihren Ehemann und Wegbegleiter. Sie wissen, dass Steffi diesen sehr runden Geburtstag bestimmt gerne erreicht hätte. Doch es hat nicht geklappt. 2015 ist sie im Alter von 89 Jahren in Hamburg gestorben.

Steffi entstammte einer dem liberalen Judentum verbundenen Hamburger Familie. Als Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte, war sie knapp sieben Jahre alt. Nachdem sie 1935 als „artfremdes Kind“ die Jahnschule, die heutige Ida Ehre Schule, hatte verlassen müssen, wechselte sie in Hamburg auf die Israelitische Töchterschule, die jüdische Mädchenschule.

Steffis Mutter begann sehr frühzeitig, nach einer Ausreisemöglichkeit für die Familie zu suchen. Die Entwicklung verlief wechselhaft und dramatisch, war jedoch im Dezember 1939 gerade noch rechtzeitig erfolgreich. Das kleine Land Uruguay hatte ihr, wie man es heute nennen würde, im Wege des Familiennachzugs Asyl gewährt.

In Uruguay lernte Steffi ihren späteren Ehemann Kurt Wittenberg kennen, einen aus Ostpreußen geflohenen Juden, der in seinem Exilland im Deutschen Antifaschistischen Komitee aktiv war. 1948 folgte sie Kurt nach Texas. Hier engagierten sich beide in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Das führte zu einem Verfahren gegen sie und schließlich dazu, dass sie die USA 1951 verlassen mussten. So kehrte Steffi mit Kurt 1951 in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. 

Mit dem Tag ihrer Rückkehr aus den USA fanden sie Kontakt zur VVN und zu den hier organisierten Verfolgten und Überlebenden der Konzentrationslager und Zuchthäuser. Es folgte ein mehr als sechzigjähriges politisches Leben, gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt, bis zu dessen Tod 2012. Steffi war bis an ihr Lebensende eine aktive und immer wieder gefragte Zeitzeugin. Jedwedes Gedenken muss mit einer Konsequenz verbunden sei, war dabei ihr Leitsatz.

Pünktlich zu Steffis 100. Geburtstag erscheint im Hentrich& Hentrich Verlag eine Biografie über sie. Das Buch ist verfasst von Erika Hirsch, der früheren Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule in Hamburg. Grundlage sind neben einer Fülle von spannenden Originaldokumenten, die Steffi und Kurt hinterlassen haben, mehrere aufgezeichnete lange Zeitzeugeninterviews, die sie in den 1990er-Jahren gegeben haben.

An Steffis Geburtstag lädt die Familie gemeinsam mit der VVN-BdA und dem Auschwitz-Komitee zu einer Erinnerungsveranstaltung ein, und zwar am

Sonntag, 15. Februar 2026. 13:00 Uhr
im Metropolis-Kino
Kleine Theaterstraße 10, 20354 Hamburg,

Willkommen sind all diejenigen, die Steffi gekannt haben, aber auch all jene, die sie noch kennen lernen möchten.

Andreas Wittenberg

AfD-Jugend stoppen!

30. September 2025

Am 29./30.11. will die AfD in Gießen ihre neue Jugendorganisation gründen. Ein Sammelbecken für Faschist*innen, Burschenschaftler, Hooligans und Neonazis. Eine Gefahr für uns alle.
Deswegen: Zehntausende werden nach Gießen fahren, um diesen Kongress zu verhindern – auch aus Hamburg. Um die Busse zu finanzieren und möglichst vielen Menschen eine Anreise zu ermöglichen, sind wir auf Spenden angewiesen.

Hier kannst du unsere Busfahrt finanziell unterstützen

Du möchtest auf dem Laufenden bleiben?
Dann folge uns unter widersetzen.hamburg auf Instagram.

Du möchtest bei mitmachen?
Dann komm zum offenen Treffen gegen Rechts am 4. Donnerstag im Monat im Centro Sociale.
Auch, wenn du nicht mitfahren kannst, gibt es genug vor Ort zu tun, um die Proteste zu ermöglichen!

Positionspapier zu den Opernplänen in Hamburg

3. September 2025

Im Februar stellten Senat, Kühne-Stiftung und Kühne Holding AG ihre Pläne für ein neues Opernhaus auf dem Baakenhöft in der HafenCity vor.
Seitdem gibt es viel Kritik an diesem Vorhaben – und am undemokratischen Verfahren. Trotzdem ist zu erwarten, dass die Pläne bald unverändert der Bürgerschaft zur Abstimmung vorgelegt werden.
Dieses Positionspapier bündelt die Kritikpunkte.
Wir laden alle ein, es zu unterschreiben und damit Einfluss auf das weitere Vorgehen von Senat und Bürgerschaft zu nehmen.

Unterstütze unsere Petition und mach mit!
Zur Petition


Unsere Kritikpunkte

1. Für eine transparente Öffentlichkeitsbeteiligung!

Ob Hamburg eine neue Oper braucht und wie das letzte freie, für öffentliche Nutzung vorgesehene Grundstück in der HafenCity gestaltet wird, darf nicht allein von Milliardären und Regierenden entschieden werden.
Es braucht ein offenes Beteiligungsverfahren.

2. Erinnerung und Aufarbeitung sind keine Worthülsen!

Kühne + Nagel profitierte im Nationalsozialismus massiv von „Arisierungen“.
Das Raubgut wurde am Baakenhafen zwischengelagert.
Mit einer Oper würde Klaus-Michael Kühne sich ein Denkmal setzen – ohne dass die Beteiligung an NS-Verbrechen wirklich aufgearbeitet ist.

3. Für die Bewahrung von Erinnerungsorten!

Der Baakenhafen war Umschlagplatz für Soldaten und Waffen für deutsche Kolonien – und für den Völkermord an den Herero und Nama.
Ein Opernbau würde diesen zentralen Erinnerungsort überschreiben.

4. Für eine Oper in der Innenstadt!

Die denkmalgeschützte Staatsoper an der Dammtorstraße ist gut angebunden und belebt die Innenstadt.
Eine Sanierung für ca. 150 Mio. Euro ist möglich und sinnvoll.

5. Für klimafreundliches Bauen im Bestand!

Ein Neubau verursacht enorme CO₂-Emissionen.
Sanieren ist klimafreundlicher – und hält das Baakenhöft für andere Nutzungen frei.

6. Die neue Oper ist kein selbstloses Geschenk!

Die Stadt müsste über 250 Mio. Euro für Grundstück, Hochwasserschutz, Freiflächen und Infrastruktur tragen – zusätzlich zu laufenden Kosten für Betrieb und Instandhaltung.

7. Nicht noch ein „Leuchtturm“-Projekt!

Mit Elbphilharmonie und Elbtower gibt es bereits teure Prestigeprojekte.
Ein weiteres Symbolbauwerk ist keine Lösung für Hamburg.

8. Für eine lebendige Kultur und breite Kulturförderung!

Kultur ist keine Leistungsschau der „Weltspitze“, sondern lebt von Vielfalt und Vielstimmigkeit.


Unterzeichner*innen

Eine breite Allianz aus Initiativen, Vereinen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und Einzelpersonen unterstützt dieses Positionspapier.

Solidarität mit der Bevölkerung in Gaza und mit der israelischen Friedensbewegung: Den Druck auf die israelische Regierung erhöhen

28. August 2025

Erklärung des Bundessprecher*innenkreises der VVN-BdA vom 22.08.2025

  • Stopp der Offensive zur völkerrechtswidrigen Besetzung Gazas
  • Beendigung der illegalen Landnahme im Westjordanland
  • Waffenstillstand und Verhandlungen für die Freilassung der Geiseln und eine dauerhafte Friedensregelung sofort
  • Umfassende Versorgung der Bevölkerung in Gaza durch die Vereinten Nationen

Hunderttausende Menschen in Israel haben seit Sonntag mit Demonstrationen und Streiks ein Ende des Krieges in Gaza und dem Westjordanland und die Freilassung der verbleibenden Geiseln der Hamas und ihrer Verbündeten gefordert. Das ist ein beachtlicher (Mobilisierungs-) Erfolg der israelischen Demokratie- und Friedensbewegung, der den innenpolitischen Druck auf die Regierung Netanjahu erhöht hat. Jetzt gilt es im Sinne und zusammen mit unseren befreundeten israelischen und palästinensischen Organisationen diesen Druck aufrechtzuerhalten und zu verstärken.

Wir fordern von der deutschen Bundesregierung den sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an Israel.

Die geplante Ausweitung des Krieges, die Wiederbesetzung des Gazastreifens durch israelische Streitkräfte und die Siedlergewalt im Westjordanland sowie die damit einhergehende illegale Landnahme sind nicht durch das Völkerrecht gedeckt. Diese konstanten Brüche des Völkerrechts müssen im Sinne einer ehrlichen und offenen Partnerschaft zwischen der BRD und Israel Konsequenzen haben. Die Menschen in Gaza dürfen nicht auf dem Altar der Interessen der deutschen Rüstungslobby geopfert werden. Wie unsere Freund*innen in Israel sind wir der Überzeugung, dass das derzeitige Vorgehen der israelischen Regierung den Menschen in Israel und Palästina keinen Frieden bringen wird. Der Kampf gegen eine Kultur des Hasses, wie sie beispielsweise die Hamas verkörpert, und die Stärkung demokratischer Strukturen kann nicht mit Waffengewalt erreicht werden.

Weiterhin fordern wir von der Bundesregierung sich an der Lieferung und direkten Verteilung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und weiteren überlebenswichtigen Gütern an die hungernde Bevölkerung in Gaza zu beteiligen.

Es muss dabei sichergestellt werden, dass die Verteilung der Lieferungen nicht durch Abwurf von Paketen aus der Luft, sondern direkt durch die Vereinten Nationen als unabhängige internationale Organisation erfolgt. Falls nötig, müssen die Lieferungen und Verteilstationen von Soldaten unter einem UN-Mandat vor Angriffen geschützt werden. Die Bundesrepublik muss im Sinne einer Beendigung der humanitären Katastrophe im Gazastreifen mit einer auskömmlichen Finanzierung dieser UN-Mission zu einem Gelingen beitragen. 

Wir wünschen unseren Freund*innen in Israel und Palästina weiterhin viel Kraft und Mut. Wir stehen in dem Kampf für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit weiterhin an eurer Seite!

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