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NS-Täter in Italien – Die Massaker im besetzten Italien in der Erinnerung der Täter

Oktober 28 @ 19:00 - 21:00

Mittwoch, 28. Oktober 2026, 19 Uhr; Istituto Italiano di Cultura di Amburgo,
Hamburg, Hansastraße 6

Mit Dr. Carlo Gentile (Martin-Buber-Institut für Judaistik, Universität zu Köln)
Die deutsche Besatzung Italiens zwischen 1943 und 1945 kostete bis zu 70.000 Menschen
das Leben. Mehr als 10.000 Zivilpersonen wurden bei Massakern, Massenerschießungen
und sogenannten Vergeltungsaktionen deutscher Truppen ermordet. Viele dieser
Verbrechen sind in Italien bis heute Teil der lokalen und familiären Erinnerung; in
Deutschland wurden sie dagegen lange nur begrenzt wahrgenommen.
Der Historiker Dr. Carlo Genle beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der deutschen
Besatzungsherrschaft in Italien und der Geschichte der dort verübten Kriegsverbrechen.
Mit dem von ihm geleiteten Projekt „NS-Täter in Italien 1943–1945“ werden die
Verbrechen, ihre Tatorte und die daran beteiligten Täter, militärischen Einheiten und
Institutionen quellenbasiert dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht. Im Zentrum
des Projekts steht eine mehrsprachige Webseite auf Deutsch, Italienisch und Englisch. Sie
enthält Täterbiografien, Einheitenprofile, Darstellungen einzelner Tatorte, historische
Einordnungen, Materialien zur juristischen Aufarbeitung und ausgewähltes Bildmaterial.
Damit verbindet das Projekt wissenschaYliche Forschung mit öffentlicher Vermiglung.
Der Vortrag fragt nach den konkreten Verantwortlichkeiten hinter den Massakern: Wer
waren die Täter? In welchen militärischen und politischen Strukturen handelten sie?
Welche Rolle spielten Befehle, Ideologie, Handlungsspielräume und lokale Situationen?
Und warum blieb die juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung vieler Verbrechen
nach 1945 so lange unzureichend? Die Auseinandersetzung mit den Tätern ersetzt nicht
die Erinnerung an die Opfer. Sie macht vielmehr sichtbar, wie die Verbrechen ermöglicht
wurden — durch Insitutionen, Entscheidungen, Befehle und Menschen, die handelten.
Gerade deshalb ist Täterforschung ein notwendiger Teil einer verantwortlichen
Erinnerungskultur.
Die Veranstaltung fragt zugleich danach, welche Rolle digitale Projekte heute für die
deutsch-italienische Erinnerungskultur und für die Vermiglung deutscher Verantwortung
spielen können.
Organisiert und unterstützt von: Istituto Italiano di Cultura di Amburgo, Zusammenarbeit mit:
Projektgruppe italienische Militärinternierte Hamburg

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