Verfolgt, vertrieben, zurückgekehrt

6. Januar 2013

die Geschichte von Kurt und Steffi Wittenberg

07.01.2013

Zeitzeugengespräch

Verfolgt, vertrieben, zurückgekehrt

die Geschichte von Kurt und Steffi Wittenberg

Das Gespräch mit Steffi Wittenberg führt Stefan Romey.

Montag, 07. Januar 2013, 19.30 Uhr

Centro Sociale, Sternstraße 2, Hamburg

Eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme in der Reihe „Erinnerung bewahren“ Der Eintritt ist frei, über Spenden freut sich die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme

mehr…

Montag, 07. Januar 2013, 19.30 Uhr Centro Sociale, Sternstraße 2, Hamburg Eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme in der Reihe „Erinnerung bewahren“ Der Eintritt ist frei, über Spenden freut sich die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme

Gemeinsames Kaffeetrinken und Klönen zum Jahresausklang

8. Dezember 2012

09.12.2012

Gemeinsames Kaffeetrinken und Klönen zum Jahresausklang

Natürlich gibt es auch leckeren Kuchen und an einem Gläschen Sekt soll’s auch nicht fehlen.

Sonntag, 09. Dezember 2012, 15-18:00 Uhr

Landesbüro VVN-BdA, Hein-Hoyer-Straße 41, Hamburg

Sonntag, 09. Dezember 2012, 15-18:00 Uhr Landesbüro VVN-BdA, Hein-Hoyer-Straße 41, Hamburg

Gegen das Vergessen -Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

5. Dezember 2012

06.12.2012

Gedenksfeier

Gegen das Vergessen -Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Wir möchten mit Euch am

„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“ Mit diesen Worten Richard von Weizsäckers wird in Billstedt den Widerstandskämpferinnen und -kämpfern gegen den Hitler-Faschismus gedacht. Sie gelten insbesondere: Josef Florczak – John Tretien – Fiete Schulze Katharina Corleis – Kurt Vorpahl – Adolf Rembte – Heinz Prieß – Paul Kroll

.

Donnerstag, 06. Dezember 2012, 17.00 Uhr

Hamburg-Billstedt, Gedenkstein für Widerstandskämpfer vor dem ehemaligen Ortsamt Billstedt (Öjendorfer Weg 9)

Donnerstag, 06. Dezember 2012, 17.00 Uhr Hamburg-Billstedt, Gedenkstein für Widerstandskämpfer vor dem ehemaligen Ortsamt Billstedt (Öjendorfer Weg 9)

Wir wollen über Veränderungen nachdenken

17. November 2012

Wie kann von diesem Platz in Zukunft ein Signal für Frieden und Völkerverständigung ausgehen?

18.11.2012

Kundgebung zum Volkstrauertag

Wir wollen über Veränderungen nachdenken

Wie kann von diesem Platz in Zukunft ein Signal für Frieden und Völkerverständigung ausgehen?

Sonntag, 18. November 2012, 14.00 – 15.30 Uhr

„Ehrenmal“ am kleinen Bramfelder See

Erstunterzeichner Mitglieder des Vorstands Stadtteiltreff A.G.D.A.Z e. V. Steilshoop Friedensinitiative Bramfeld / Gymnasium Osterbek / Motorradklub Kuhle-Wampe Harry Schaub / Uwe Schmidt / Stadtteilarchiv Bramfeld / Christian Arndt (Pastor i. R.) Maren Zinck, Bramfelder Bündnis gegen Rechts / Rolf Daniloff, Togo e.V. Steilshoop Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V. Deutsche Friedensgesellschaft – Internationale der Kriegsdienstgegner e.V. Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e. V. Peter Drews, Postmitarbeiter / Sönke Wandschneider (Pastor i. R.) Förderverein Gedenkstätte Ernst Thälmann Günther Kahl, Architekt / Marion Kahl, Lektorin Günter Lübke, SPD Wandsbek 60 plus / Otfried Hilbert, Grüne Hamburger Bündnis gegen rechts / André Martens, Philosoph Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e. V. / VVN Hamburg Gisela Reich, Mitglied Int. Auschwitz-Komitee Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.

mehr…

Sonntag, 18. November 2012, 14.00 – 15.30 Uhr „Ehrenmal“ am kleinen Bramfelder See Erstunterzeichner Mitglieder des Vorstands Stadtteiltreff A.G.D.A.Z e. V. Steilshoop Friedensinitiative Bramfeld / Gymnasium Osterbek / Motorradklub Kuhle-Wampe Harry Schaub / Uwe Schmidt / Stadtteilarchiv Bramfeld / Christian Arndt (Pastor i. R.) Maren Zinck, Bramfelder Bündnis gegen Rechts / Rolf Daniloff, Togo e.V. Steilshoop Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V. Deutsche Friedensgesellschaft – Internationale der Kriegsdienstgegner e.V. Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen e. V. Peter Drews, Postmitarbeiter / Sönke Wandschneider (Pastor i. R.) Förderverein Gedenkstätte Ernst Thälmann Günther Kahl, Architekt / Marion Kahl, Lektorin Günter Lübke, SPD Wandsbek 60 plus / Otfried Hilbert, Grüne Hamburger Bündnis gegen rechts / André Martens, Philosoph Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e. V. / VVN Hamburg Gisela Reich, Mitglied Int. Auschwitz-Komitee Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.

Mahnwache

8. November 2012

Anlässlich des 74. Jahrestags der Reichspogromnacht

09.11.2012

Mahnwache

Anlässlich des 74. Jahrestags der Reichspogromnacht

Freitag, 09. November 2012, von 15.00 – 16.14 Uhr

auf dem Joseph-Carlebach-Platz (Grindelhof) eine Mahnwache statt.

An diesem Ort wurde im faschistischen Deutschland am 9. November 1938 die Bornplatz-Synagoge angezündet. Erinnerung und Mahnung

Veranstalter: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA); Jüdische Gemeinde; Hamburg Universität Hamburg

mehr…

Freitag, 09. November 2012, von 15.00 – 16.14 Uhr auf dem Joseph-Carlebach-Platz (Grindelhof) eine Mahnwache statt. An diesem Ort wurde im faschistischen Deutschland am 9. November 1938 die Bornplatz-Synagoge angezündet. Erinnerung und Mahnung Veranstalter: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA); Jüdische Gemeinde; Hamburg Universität Hamburg

Mahnmal- Enthüllung in Bergedorf von Anschlag überschattet

geschrieben von Carola Kieras

20. September 2012

Es hätte ein feierlicher Moment werden sollen: Im Beisein von ehemaligen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen aus Polen sollte das neugeschaffene Mahnmal enthüllt werde, das an die Leiden der zur Zwangsarbeit nach Bergedorf Verschleppten erinnert.

Das Mahnmal war nicht unumstritten, die Kommentare in der örtlichen Presse reichten von, … „ nun muss es aber mal gut sein“ bis hin zu einer Scheindebatte über die Ästhetik und die Kosten. Was sich aber während der ersten Worte zur Begrüßung der Gäste abspielte, damit hat keiner gerechnet. Ein einzelne Mann besprüht plötzlich die als Ehrengäste in der ersten Reihen sitzenden betagten ehemaligen Zwangsarbeiter gezielt mit Reizgas!

Die anwesende Polizei hat den Mann überwältigt, von den verletzen Gästen mussten 9 ins Krankenhaus gebracht werden, die anderen Mitglieder der Besuchsreise haben die Veranstaltung verlassen.

Auch zwei VVN-BdA Mitglieder wurden geschädigt, konnten aber weiter an der Veranstaltung teilnehmen.

Sichtlich betroffen wurde das Mahnmal von der polnischen Vizekonsulin Karoline Kowalska und dem Bergedorfer Bezirksamtsleiter Arne Dornquast mit Verspätung enthüllt. Alle Redner und alle Anwesenden zeigten sich erschüttert von diesem ungeheuerlichen Vorfall.

Die VVN-BdA, deren Bergedorfer Mitglieder sich aktiv am Entstehungsprozess des Mahnmals beteiligten, verurteilt die gemeine Tat. Unser Mitgefühl gilt den polnischen Gästen, die nun wiederholt in Deutschland zu Opfern wurden. Wir bekräftigen, dass wir auch zukünftig nicht nachlassen in unseren Bemühen

• gegen das Vergessen

• für die Vision einer antifaschistischen Zukunft

• für eine Welt ohne Rassismus, Nazismus und Militarismus, ohne Ausgrenzung, ohne Faschismus und Krieg

„Die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

20120921_1_mahnmalenthuellung_21_sep_agn.pdf (180 KB)

Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Bombenkrieges und des Nationalsozialismus

22. Juli 2012

Vom 21. Juli bis 5. August 2012 finden zahlreiche kulturelle Ver anstaltungen an den Sammelgräbern der Bom ben – opfer auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, um der Opfer des Zweiten Welt krieges und des Natio nal so zialismus zu gedenken.

Der Hamburger Feuersturm im Juli und August 1943 hat zahlreiche Opfer unter den Hamburgerinnen und Ham bur – gern verursacht, viele Überlebende traumatisiert und tiefe Spuren im Stadtbild hinterlassen. Diese Katastrophe war kein Naturereignis, sondern ein Er geb nis der nationalsozialistischen Herrschaft. Die Opfer des Bombenkrieges dürfen nicht dazu miss – braucht werden, die Ursachen des Zweiten Welt krie ges um zu deuten und die Verbrechen des Natio nal so zia lismus zu re la tivieren. Neonazis haben dies in der Vergangenheit durch Kundgebungen auf dem Fried hof immer wieder versucht. Mit dem Ohlsdorfer Frie dens fest treten wir auch diesen Ver suchen entgegen. Die Botschaft dieses Geschichtsabschnitts lautet „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ – für die heutigen und die kommenden Generationen geht es da rum, sie unmissverständlich auszusprechen. Mit dem Ende der Generation, die Bombenkrieg und Nationalsozialismus erlebt hat, hört die Tradition der mündlichen Überlieferung auf. Deshalb müssen neue Formen der Erinnerung gefunden werden. Die Trauer um die Opfer braucht einen Raum. Im Nach – kriegsdeutschland verhinderte die Ver drän gung deutscher Kriegsverbrechen, ungeklärte Schuld fra gen und der Alltag im aufkommenden Wirtschafts wunder ein angemessenes Ge denken. Wir fragen heute: Wer waren die Opfer des Bom ben – krieges? Wie konnte es so weit kommen? Mit ten im Krieg gab es Verfolgung und Widerstand. Welche Op fer waren hier zu beklagen? In welchem Zu sam men hang stehen Nazidiktatur, Verfolgung und Krieg? Welche Nachwirkungen in die Gegenwart hinein gibt es? Wie werden traumatisierende Erfahrungen an die Folgegenerationen weitergegeben? Das Ohlsdorfer Friedensfest setzt sich in zahlreichen Teilveranstaltungen mit diesen Fragen auseinander.

20120723_1_flyer_off_2012-kl.pdf (177 KB)

Tausende Menschen waren erfolgreich aktiv gegen die Nazis

1. Juni 2012

Wie bekannt, hat das Umfeld, das den NSU unterstützt hat, heute zu einer Demonstration aufgerufen. Diese Demonstration wurde durch einen Beschluss des Verwaltungsgerichts in Hamburg-Wandsbek genehmigt.Dagegen hat sich breiter zivil-gesellschaftlicher Widerstand entwickelt. Ob über 220 unterstützende Organisationen des Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR), ob die Hamburger Erklärung oder die Veranstaltung „Hamburg bekennt Farbe“ auf dem Rathausmarkt.

Es haben zwischen 6.000 und 7.000 Menschen an der Demonstration des Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) in der Hamburger Innenstadt teilgenommen. Der Rathausmarkt wurde von rund 10.000 Teilnehmern besucht, unter anderen von rd. 2.000 bis 3.000, die aus der Demonstration heraus auf den Rathausmarkt gingen. An den Massenblockaden in Wandsbek, zu dem das HBgR aufgerufen hat, haben insgesamt etwas über 6.000 Personen teilgenommen.

Olaf Harms, Sprecher des HBgR, fasste zusammen: „Tausende Menschen sind heute aktiv gegen den Nazi-Aufmarsch gewesen, haben Signale und Zeichen gesetzt. Die erfolgreichen Blockaden des HBgR führten zu einer erheblichen Verkürzung des Nazi-Aufmarsches, während auf dem Rathausmarkt Farbe bekannt wurde.“

Polizei: rücksichtslos und brutal

Der Aktionskonsens des HBgR wurde auf seinen Blockaden gelebt. Es war ziviler Ungehorsam, es waren Menschenblockaden und es ging keine Eskalation von ihnen aus. Die Polizei selber hatte sich nicht an ihre eigene Deeskalationsstrategie gehalten, im Gegenteil: Nachdem wenige Menschen von einer Sitzblockaden wegetragen wurde, verging die Lust: Nun wurden Pfefferspray und Wasserwerfer eingesetzt, und die Reiterstaffel ritt in die Sitzenden direkt hinein.

Nachdem die ursprüngliche Route der Nazis durch viele tausend Menschen erfolgreich blockiert wurde, hat die Polizei den Nazis eine Ersatzroute angeboten. Spätestens hier wäre es möglich gewesen, den braunen Spuk zu beenden. Stattdessen entschied sich die Einsatzleitung der Polizei zu einem harten Vorgehen gegen drei auf der Ersatzroute befindliche Blockaden und setzte den Nazi-Aufmarsch unter Einsatz von Pfefferspray, Wasserwerfer und Schlagstöcken durch. Darüberhinaus ist es der Polizei nicht gelungen, die Nazis im Griff zu behalten. So konnten freilaufende Nazis ungehindert demonstrierende Bürger angreifen, so z.B. am Jacobi-Park oder Hasselbrookstr./Hammer Steindamm.

„Die Polizei hat die Ersatzroute der Nazis durchgeknüppelt, statt rechtliche Möglichkeiten für ein Verbot der Nazi-Demo zu nutzen. Nazis konnten andere Menschen angreifen und für ihre menschenverachtende Politik werben“ äußerte Olaf Harms vom HBgR.

Menschenrechtsverletzung durch den Hamburger Kessel

Bereits am Vormittag hat die Polizei rd. 300 bis 400 Menschen, die gegen den Nazi-Aufmarsch aktiv werden wollten, bis zu 5 Stunden ohne Wasser eingekesselt. Die Menschen mussten ihre Notdurft in Plastiktüten verrichten. Damit lebte der Mitte der 80ger Jahre berühmt gewordene „Hamburger Kessel“ wieder auf. Doch dieses Mal hat sich die Polizei den Kessel durch einen Amtsrichter absegnen lassen, erst danach wurden Dixie-Klos in den Kessel verbracht.

„Unverständlich und völlig unfassbar ist es, dass Nazis marschieren dürfen, und andererseits Demonstrierende und Antifaschistinnen und Antifaschisten stundenlang unter menschenunwürdigen, und damit verfassungswidrigen Umständen, eingekesselt werden“ so Olaf Harms vom HBgR.

Ansprache von Esther Bejarano anlässlich der Neonazi-Aufmarsches („Tag der deutschen Zukunft“) am 2. Juni 2012 in Hamburg

1. Juni 2012

Liebe Freundinnen und Freunde, ihr auf den Straßen und Plätzen, ihr auf den Blockaden, ihr, die ihr diese Stadt – keinen Fußbreit dieser Stadt – den Neonazis überlassen wollt, ich grüße euch. Wie ungeheuer wichtig es ist, dass jeder von uns heute und jetzt bei dieser Gegendemo des Naziaufmarsches dabei sein muss, will ich wie folgt begründen:

In Zeiten, in denen hierzulande mindestens zehn Menschen von einer rechten Terrorbande ermordet wurden, weil sie türkische oder griechische Namen trugen und diese Neonazis mindestens 13 Jahre lang offensichtlich unter rechts zugedrückten Augen der Polizei, der Justiz und des Verfassungsschutzes wüteten. In Zeiten, in denen die NPD und neofaschistische Kameradschaften ganze Regionen zu „national-befreiten Zonen“ erklären und die NPD immer noch nicht verboten ist, müssen wir alle uns einmischen und von der Regierung fordern, endlich zu handeln. Wer nicht durch die Hölle von Auschwitz gegangen ist, kann es schwer erahnen, was es für uns bedeutet, wenn Nazibanden in allen Städten marschieren dürfen. Das trifft uns so sehr, weil damit bewiesen wird, dass es keine oder wenig Aufklärung über die damaligen Verbrechen gegeben hat. Es wurde ein Mantel des Schweigens über die zahllosen Morde und Erniedrigungen von Menschen gelegt. Darum sagen wir, die letzten Überlebenden, die letzten Zeugen des faschistischen Terrors, aus der Erfahrung unseres Lebens: Nie mehr schweigen, wegsehen, wie und wo auch immer Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit hervortreten. Erinnern heißt handeln.

Und hier möchte ich einen Appell an die gesamte deutsche Jugend richten: Was von euren Vorfahren meistens verdrängt, auch diskriminiert und verleugnet wurde: Das Bedeutsamste und Kostbarste aus deutscher Geschichte ist und bleibt der antifaschistische Widerstand. Der Nazihölle entronnen, dem sogenannten „Tausendjährigen Reich“, das für uns tatsächlich wie tausend Jahre war, jede Stunde, jeden Tag den Tod vor den Augen. Wir wünschen uns, dass ihr, weil es ja so bitter nötig ist, in Zukunft Widerstand leistet, wie damals die Widerstandskämpfer gegen den Hitlerfaschismus, für ein Leben in Frieden und Freiheit für alle Menschen auf dieser Welt. Ich glaube an euch!

Hamburg, 2. Juni 2012 – die Zukunft ist antifaschistisch

geschrieben von Traute Springer-Yakar

1. Juni 2012

Die Menschen dieser Stadt setzen deutliche Zeichen gegen den rassistischen Brauen Mob aus NPD und ihre Gesinnungsgenossen. Mit seinen zahlreichen friedlichen Aktionen, an den sich zahlreiche Freundinnen und Freunde der VVN-BdA beteiligten, hat das Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) dem Nazisaufmarsch erfolgreich Widerstand entgegengestellt.Im Rahmen der Vormittagsdemonstration des HBgR veranstaltet die VVN-BdA gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme eine Lesung vor dem Stadthaus, dem ehemaligen Gestapo Hauptquartier. Dort erinnert wir an die Leiden der Widerstandskämpfer, die an diesem Ort von den Schergen der Gestapo gefoltert und ermordet wurden.Vor diesem Ort des Schreckens stoppte auch der Demonstrationszug für eine Zwischenkundgebung. Dort hielt unsere Kameradin Traute eine Rede, mit der sie die Verbindungslinie zwischen dem Terror der Nazis von 1933 bis 45 ihren Nachgeboren Rassisten zog.“

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor uns liegt das Stadthaus, seit seinem Bau Anfang des 19. Jahrhunderts Sitz der Polizeiverwaltung, während der NS-Zeit berüchtigt als Sitz der Gestapo-Leitstelle, einer Zentrale des Terrors und der Gewalt, hier wurden der Terror gegen Hamburger Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti wie am Reißbrett geplant, hie wurden politische Gegner festgehalten, verhört, gefoltert, ermordet oder in den Tod getrieben. Allein drei der Gestapo-Opfer, denen die Stolpersteine dort drüben gewidmet sind, wurden entweder von Schergen aus dem Fenster gestürzt oder sprangen aus Angst vor weiteren Verhören selber hinaus. von hier wurden die berüchtigten Hamburger Polizeibataillone zum Foltern und Morden nach Polen und in die Sowjetunion geschickt , hier war auch der Sitz von Sonderabteilungen zur Überwachung und Unterdrückung der 400.000 nach Hamburg verschleppten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Dabei müssen wir im Kopf haben, dass die Mehrzahl der 5500 Hamburger Polizisten in den Zwanziger Jahren von vorn herein reaktionär und republikfeindlich eingestellt waren, unter ihnen waren außerdem über 2000 ehemalige Angehörige des Freikorps, derselben Truppe, die in den Anfangsjahren der Weimarer Republik unzählige Morde an Kommunisten und Anarchisten verübt hatte. Auch die ca. 200 Führungsoffiziere der Polizei waren – abgesehen von der wegen der Mehrheitsverhältnisse im Senat sozialdemokratischen Führungsspitze überwiegend rechtsradikal und antidemokratisch und begrüßten die Machtübertragung an die Nationalsozialisten. Gleich nach der Machtübertragung wurde die am 06. März 1933 wurden alle Sozialdemokraten und Parteilose gegen als besonders brutal bekannte Nazi-Parteigänger ausgetauscht, die natürlich auf der Stelle damit begannen, sich – jetzt qua Amt – an ihren langjährigen politischen Gegnern zu rächen.

Dazu gehörte Bernhard Bästlein, ehemaliger kommunistischer Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft, in der Folge, sieben Jahre in Zuchthaus und KZ war einer der führenden Köpfe der größten Hamburger Widerstandsgruppe des Arbeiterwiderstands während des Krieges, der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe und wurde 1944 hingerichtet. Wie man selbst nach Folter und Haft ungebrochen, scharfsichtig und sogar ironisch seinen Gegnern entgegentreten kann, beweist Bernhard Bästleins Erklärung vor der Gestapo am Hamburg, den 30. November 1942, aus der ich jetzt einige Auszüge verlese:

Als Richtschnur für diese meine Ausführungen nannte mir mein Sachbearbeiter ein Wort des Reichsführers-SS Himmler, dass man mannhaft für seine Tat einstehen solle,auch wenn die Strafe hart sein wird… Ich betrachte mich als Täter aus weltanschaulicher Überzeugung, und bin deshalb gewillt, für meine Tat mannhaft einzustehen. Dabei handelt es sich bei mir nicht um eine Tat, auch nicht um eine Tat, sondern um eine auf verschiedene Ursachen begründete fortgesetzte Handlung, die mit einer gewissen Eigengesetzlichkeit sich fortlaufend entwickelte. Die Grundlage meiner Einstellung ist meine sozialistische Erziehung im Elternhaus und in der proletarischen Jugendbewegung. Meine illegale Arbeit während des letzten Jahres wurde vorwiegend von zwei Faktoren bestimmt, die meiner Bereitschaft, gegen die bestehenden Gesetze zu handeln, den entscheidenden Anstoß gaben. Der erste Faktor war meine siebenjährige Haft von 1933 bis 1940 – davon vier Jahre in Konzentrationslagern – während der ich entsetzliche Dinge erlebt, gesehen und gehört habe. Diese Zeit hat mir jede Möglichkeit des Zweifelns in Bezug auf meine weltanschauliche Grundeinstellung genommen, denn meine Überzeugung, dass eine Gesellschaftsordnung, in der solche Dinge möglich sind, wie ich sie erlebte, beseitigt werden muss, wurde dadurch grundfest gemacht, soweit das bisher noch nicht der Fall war.

Der zweite Faktor war der seit 1939 begonnene Zweite Weltkrieg, Da für mich der Ausgang dieses Krieges unzweifelhaft feststeht, kam es darauf an, den die Niederlage Deutschlands besiegelnden Frieden so schnell als möglich herbeizuführen. Diese beiden Faktoren – meine siebenjährige Haft und der Krieg – waren die Triebfedern, die mich zur illegalen Arbeit anregten. Ich bin dazu weder von jemandem >verführt< worden noch bedurfte es dazu einer besonderen Anregung, abgesehen von der Zuspitzung der weltpolitischen Situation.

Ich werde keine Gelegenheit haben, die entsetzlichen Erlebnisse meiner siebenjährigen Haft, die einen entscheidenden Einfluss auf meinen Willen zur illegalen Arbeit hatte, im einzelnen darzulegen, ich werde trotzdem für meine Tätigkeit bestraft werden. Das Recht, eine harte Strafe über mich zu verhängen, ergibt sich aus den zur Zeit in Kraft befindlichen Gesetzen, die ich, da ich bewusst gegen sie verstoßen habe, nicht anerkenne. Indem ich jedoch für meine Tat einstehe, erwarte ich, dass auch nur die gesetzliche Härte einer Strafe gegen mich in Anwendung kommt, und keine Auffrischung jener Methoden, die ich im KZ sah, mich treffen wird. Sollte das dennoch der Fall sein, werde ich bemüht sein, sie ebenso mannhaft zu ertragen, wie ich für meine Tat einstehe, Zitat Ende

An dieser Stelle grüße ich unsere noch lebenden Widerstandskämpfer und Verfolgten, aber ich grüße auch ihre Familien, die durch die Verbrechen in Mordzentralen wie dieser unsäglich leiden mussten.

Nach der Befreiung vom Faschismus wurde von der britischen Militärverwaltung und dem neuen, demokratischen Senat die Entnazifizierung der Polizei betrieben, einschneidende Reformen wurden in die Wege geleitet. Jedoch wurden bereits Anfang der 50er Jahre auf der Basis des Art. 131 GG fast alle aufgrund ihrer Nazivergangenheit entlassenen Polizeibeamten wieder eingestellt, wenn sie nicht wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden waren. Die Entnazifizierung der Hamburger Polizei wird in der Fachliteratur nicht selten als gescheitert qualifiziert. Ich werde den Verdacht nicht los, dass es auch heute noch Lehrbücher an den Fachhochschulen der Polizei gibt, die aufgrund einer vor 60 Jahren gescheiterten Entnazifizierung immer noch den selben Ermittlungsschablonen folgen, die zu solchen Desastern wie dem 13jährigen „Übersehen“ einer Mörderbande führen können.

Beim Schreiben dieser Rede habe ich zahlreiche Beschreibungen der Methoden dieses Stadthauses gelesen, mit wachsender Wut auf die Leute, die Folterer und ihre Auftraggeber immer noch als ihre Vorbilder betrachten. Das sind die, gegen die wir heute demonstrieren. Mit 182 Morden an Migranten, Flüchtlingen und politischen Gegnern haben sie bewiesen, dass sie nach wie vor und uneingeschränkt der Ideologie anhängen, die in dem Haus da drüben so viele Opfer forderte.

Wir sollten also unser Möglichstes tun, die Demonstration dieser Schüler von Folterern und Mördern förmlich den Boden unter den Füßen weg zu ziehen. Wir werden sie in Hamburg nicht dulden und werden jedes Mal wenn sie es wieder versuchen mit derselben Entschlossenheit, aber immer besserer Praxis den Weg in unsere Stadt versperren. Wir fordern ein uneingeschränktes Verbot der NPD, aller faschistischen Parteien sowie aller Freien Kameradschaften. Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen.

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten