Sonntag, 27. September 2015, 17.00 Uhr

8. Juli 2015

Akte Grüninger – Die Geschichte eines Grenzgängers

Von Alain Gsponer, AT/CH/DE 2013

August 1938: Die Schweiz schliesst ihre Grenzen für jüdische Flüchtlinge. Doch weiterhin gelangen Hunderte von Menschen ohne gültiges Visum über die Grenze. Zur Überprüfung der illegalen Grenzübertritte wird vom Chef der eidgenössischen Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund …, eine Untersuchung eingeleitet. Polizeiinspektor Robert Frei…, ein junger, ehrgeiziger und obrigkeitsgläubiger Beamter, wird in den Kanton St. Gallen beordert. Dort kommt er einem Hilfssystem auf die Schliche, das von breiten Teilen der Bevölkerung getragen und vom St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger … ermöglicht wird.

Im Laufe der Ermittlungen erhärtet sich der Verdacht, dass Grüninger Flüchtlinge ohne gültige Visa hereinlässt, auch Dokumente fälscht und Flüchtlinge illegal über die Grenze bringt. Grüninger gesteht Frei zwar seine Taten, doch dass er damit gegen das Gesetz und somit gegen die Staatssicherheit handle, will er partout nicht einsehen. Er tue dies aus reiner Menschlichkeit und könne nicht anders… (http://grueninger-film.com/)

Gesprächsgast: Conni Gunßer (Flüchtlingsrat Hamburg)

im

Kommunalen Kino

METROPOLIS

 

Metropolishaus

Dammtorstraße / Ecke Kleine Theaterstraße

(Eingang Kleine Theaterstraße 10)

 

Das Foyer und der Kinosaal sind mit dem Rollstuhl erreichbar!


Geschichte verpflichtet: Bleiberecht für Roma in Hamburg – Abschiebestopp sofort!

8. Juli 2015

 

An die Presse

 

04.07.2015

 

 

Abschiebungen von Roma in die Nachfolgestaaten Jugoslawiens gehen unvermindert weiter. Trotz der Beschreibung der skandalösen Lebensumstände, die die Familien nach Berichten unabhängiger Berichterstatter dort erwarten, hat die Bundesregierung Mazedonien, Bosnien und Serbien bereits zu „sicheren Herkunftsstaaten“ erklärt, Kosovo soll folgen.

 

In diesen ethnisch begründeten Staaten, die auch mit erheblicher diplomatischer Unterstützung Deutschlands und zuletzt auch mit dem völkerrechtswidrigen Krieg unter deutscher Beteiligung entstanden sind, ist für Roma kein Platz. Stigmatisiert, ausgegrenzt und mittellos sich selbst überlassen, fehlt es ihnen dort an allem. Der weit verbreitete Antiziganismus macht es nahezu unmöglich Fuß zu fassen. Selbst physische Gewalt durch Polizei und Zivilisten ist an der Tagesordnung.

 

Dabei steht Deutschland gegenüber den Nachkommen der Opfer des Holocaust an geschätzten 500.000 Sinti und Roma in einer besonderen Pflicht.

 

Schon bei der Einweihung des Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas 2012 wurden diejenigen, die im Anschluss an die Rede der Bundeskanzlerin nach den Abschiebungen fragten, zurechtgewiesen, das sei „heute“ kein Thema . Welchen Sinn kann ein Mahnmal haben, wenn es für das Heute keine Bedeutung hat?

 

Nachkommen von jüdischen Holocaust-Opfern aus der zerfallenden Sowjetunion wurde wegen der Situation in den Nachfolgestaaten in den 1990er Jahren die Einreise und Niederlassung als Kontingent-Flüchtlinge erlaubt. Warum kann nicht für die Roma aus den Ex-jugoslawischen Staaten eine entsprechende Regelung geschaffen werden? Die historische Verpflichtung ist die gleiche.

 

Jetzt haben sich Betroffene in der Initiative „Romano Jekipe ano Hamburg“ zusammengeschlossen und werden in der nächsten Woche Mahnwachen vor der Ausländerbehörde durchführen und am 18. Juli für ein Bleiberecht demonstrieren. Wir werden sie dabei nach Kräften unterstützen!

 

Landesvorstand der

Vereinigung der Verfolgten des Naziiregimes

– Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hamburg e. V.

 

Hein-Hoyer-Str. 41

20535 Hamburg

 

Telefon 040 -31 42 54,

Telefax 040 -319 37 95

 

Do. 25.06.15, 19 Uhr

23. Juni 2015

Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Ioannis Stathas (SYRIZA, Mitglied des griechischen Parlaments) und Gabriele Heinecke (AK Distomo)

Veranstalter: VVN BdA-Hamburg Nord, AG Antifa / Gegen Rechts LINKE Hamburg

Ort: Barmbek°Basch
Wohldorfer Straße 30, 22081 Hamburg / U Dehnhaide

Sonntag, 28 Juni 2015 17.00 Uhr

9. Juni 2015

 Ein Lied für Argyris

von Stefan Haupt, CH, 2006

Der Dokumentarfilm folgt dem Lebensweg des 66-jährigen Argyris Sfountouris, der sich mit dem Wahnsinn auseinandersetzt, der ihm als Kind widerfuhr: Im Sommer 1944 wurden seine Eltern und Verwandten sowie über 200 weitere Menschen aus dem griechischen Dorf Distomo Opfer des Massakers einer deutschen SS-Division, das als Reaktion auf einen Partisanenangriff verübt wurde. Neben Archivmaterial und privaten Fotos lässt der beeindruckende Film den Protagonisten und andere Zeitzeugen erzählen. Getragen von der Hoffnung auf eine mitmenschlichere Zukunft und Völkerverständigung, werden die Zeit- und Handlungsebenen stilsicher verknüpft und wirken lange nach. (Filmlexikon Zweitausendeins.de) Ein Kooperationsprojet der VVN-BdA Hamburg mit dem Kino METROPOLIS

Ort: Kommunalen Kino METROPOLIS, Kleine Theaterstraße 10, Hamburg

(Eingang Kleine Theaterstraße 10) Das Foyer und der Kinosaal sind mit dem Rollstuhl erreichbar!

Sonnabend, den 6. Juni 2015

2. Juni 2015

Einladung Gedenken 6. Juni 2015

 

Gegen das Vergessen –  Zur Erinnerung an die Opfer des Faschismus

 

…sie stehen für unzählige Widerständler*innen, die von den Faschisten in Zuchthäusern und KZs verfolgt und ermordet wurden.

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

am 6. Juni 1935 um 6.00 Uhr wurde Fiete Schulze im Hof des Untersuchungsgefängnisses in Hamburg mit dem Handbeil hingerichtet. Seine Tat: Widerstand gegen das Naziregime. BillstedtWir möchten mit Ihnen und Euch am  Sonnabend, den 6. Juni 2015 um 13.00 Uhr zu einer Gedenkkundgebung zusammenkommen am Gedenkstein vor dem Kundenzentrum Billstedt  (ehemals Ortsamt) Öjendorfer Weg 9

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Christiane Chodinski

 

(VVN-BdA Kreis Hamburg-Mitte)

Sonntag 19. Juli 2015 16-17:30 Uhr

2. Juni 2015

Lesung : Widerständiges Frauenleben

Ida Ehre, Anna Siemsen, Magda Langhans … und andere Frauen  Eine Jüdin und Schauspielerin, eine Sozialistin und Professorin, eine Widerstandskämpferin und KPD-Bürgerschaftsabgeordnete – mit Lesung und Gespräch wird an diese Frauen erinnert, die eins gemeinsam hatten – Hoffnungen, Erwartungen und Kämpfe von Frauen für eine lebenswerte Zukunft. Ort: Friedhof Ohlsdof; Bombenopfer Mahnmal

Ehrenamtliches Engagement für NS-Verfolgte in Hamburg

28. Mai 2015

Ein neues Projekt des Vereins „Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten“ bietet interessierten Hamburgerinnen und Hamburgern die Möglichkeit, sich ehrenamtlich in einem Besuchs- und Begleitdienst zu engagieren, der als Zielgruppe in Hamburg lebende ehemals NS-Verfolgte hat. Ziel ist es, die Lebenssituation der Betroffenen nachhaltig und konkret zu verbessern. Gespräche, Begleitung bei Einkäufen und zu Veranstaltungen, gelegentliche Hilfe im Haushalt oder im Garten, gemeinsam Spazierengehen, Vorlesen – angeboten wird alles, was den Aktionsradius der alten Menschen vergrößert und ihre Möglichkeit der Teilhabe am öffentlichen Leben steigert. Das Angebot ist kostenlos.   In den kommenden Monaten möchte das Projekt „Ehrenamtliches Engagement für NS-Verfolgte in Hamburg“ seinen Aktionsradius weiter ausdehnen. Gesucht werden deshalb:

  • Kontakte zu weiteren ehemals Verfolgten oder deren engen Angehörigen in Hamburg und im Hamburger Umland, die Begleitung und Unterstützung im Alltag wünschen. Auch Angehörige und Freunde können sich mit Hinweisen und Fragen gerne an den Verein „Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten“ wenden.

 

  • Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Die Ehrenamtstätigkeit kann flexibel vereinbart werden; die Einsätze finden einmal pro Monat oder wöchentlich statt, in der Regel tagsüber. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandsentschädigung und sind über den Verein versichert. Sie sollten Interesse für die besondere Situation ehemals NS-Ver­folg­ter und Einfühlungsvermögen mitbringen. Der Verein „Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten“ bietet eine Einführung in die Tätigkeit sowie regelmäßige Treffen zum Austausch mit anderen Ehrenamtlichen und Fortbildungen.
  • Spenden. Geldspenden ermöglichen die Ausweitung des Projektes und garantieren seinen Fortbestand. Sie ermöglichen außerdem, Ausflüge mit den ehemals Verfolgten zu organisieren oder gemeinsam mit ihnen Veranstaltungen zu besuchen. Bankverbindung: Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e.V., IBAN: DE89 2019 0003 0012 2136 08, BIC: GENODEF1HH2

(Hamburger Volksbank, Kontonr. 12213608, BLZ 201 900 03)

Kontakt für alle Interessierten sowie für weitere Auskünfte:

Petra Schondey (1. Vorsitzende)

Katja Hertz-Eichenrode (Projektkoordination)

Lagerstraße 30-32

20357 Hamburg

Telefon: 040-38 68 66 -12

ehrenamt@psychosoz-arbeit.org www.psychosoz-arbeit.org

Das Projekt wird unterstützt von der VVN-BdA, Hamburg und dem Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme; gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Berlin.

Ehrenamt-Projekt_Info für VVN_2

Rede zur Gedenkveranstaltung zur Befreiung vom Faschismus

19. Mai 2015

 

10.Mai 2015 Friedhof Ohlsdorf/Mahnmal für die Opfer des Faschismus

 

Gedenkveranstaltung zur Befreiung vom Faschismus

10.Mai 2015 Friedhof Ohlsdorf/Mahnmal für die Opfer des Faschismus

 

Der 8. Mai 1945 war zunächst der Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Sie besiegelte die militärische Zerschlagung des deutschen Faschismus als Voraussetzung für die Befreiung von Nazi-Terror, Holocaust und Krieg.

 

Gestern haben wir diesen Tag der Befreiung gefeiert und dabei eine kleine Bilanz gezogen:

Wir haben uns die Hoffnung der Befreiten, die Sicht des Widerstands, der Opfer und der Befreier in Erinnerung gerufen.

Wir haben gefragt, was aus der Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf die Bestrafung der Täter, auf die Entschädigung der Opfer, die Anerkennung des Leids geworden ist, und was noch zu tun bleibt, damit die neue Welt des Friedens und der Freiheit Wirklichkeit wird.

 

Schon am Freitag haben wir daran erinnert, dass der Faschismus nicht über Nacht kam, dass jede und jeder dazu hat Stellung beziehen können und müssen. Man hatte die Wahl.

Wir haben an die erinnert, die sich für den Widerstand entschieden haben, den es in allen besetzten Ländern und unter allen möglichen Bedingungen gegeben hat, auch in Deutschland, auch in Hamburg.

 

Heute gilt unsere Erinnerung den Opfern.

Die Urnen des Mahnmals, an dem wir uns eingefunden haben, enthalten Asche und Erde aus mehr als 100 Konzentrations- und Vernichtungslagern. Sie stehen stellvertretend für mehr als 55 Millionen Menschen, die Opfer des deutschen Faschismus geworden sind.

Wir dürfen nie vergessen, dass der Holocaust nur möglich war durch den Vernichtungskrieg im Osten. Die Krematorien der Vernichtungslager arbeiteten genau so lange wie die Front hielt.

 

Die Opfer hatten keine Wahl.

Sie wurden verfolgt und ermordet als Jüdinnen und Juden, Sinti oder Roma.

Sie waren Bewohner_innen von Städten, die bombardiert und von Dörfern, die verbrannt wurden.

Sie fielen als Soldaten, die ihr Land gegen den Invasor verteidigten, sie waren Kriegsgefangene, die zu Millionen verhungerten oder als sowjetische Offiziere und Unteroffiziere erschossen wurden.

Sie gehörten zu den Millionen Menschen, die als Zwangsarbeiter_innen nach Deutschland verschleppt worden waren.

 

Die Täter hatten eine Wahl.

Sie trafen ihre Entscheidung für eine mörderische Ideologie der Ungleichheit und – daraus abgeleitet – der Ungleichwertigkeit von Menschen und ihres Lebensrechts, die in Deutschland auf eine lange Tradition zurückgeht.

 

Sie hat ihre Wurzeln in der Abwehr der Ideen der französischen Revolution.

An die Stelle von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit traten Obrigkeitsstaat , Untertanengeist und „Volksgemeinschaft“.

Die deutsche Nation entstand nicht wie die französische durch die Verallgemeinerung von Rechten, sondern war definiert durch Ausgrenzung und von Anfang an durch geifernden Antisemitismus.

 

Fast ebenso lang reicht allerdings auch die Tradition der revolutionären Idee: vom Mainzer Jakobinerclub über Marx und Engels bis zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

 

1918 haben einfache Soldaten sich dafür entschieden und die richtige Konsequenz gezogen als sie in der deutschen November-Revolution den ersten Weltkrieg beendet haben.

 

Für die „Eliten“ hingegen, für die Monarchisten und Junker, für die Ruhrbarone und Banker, für die Militärs, stand sofort nach dem gescheiterten ersten Griff nach der Weltmacht die Revision der Kriegsergebnisse auf der Tagesordnung.

 

Sie erfanden den Mythos des „im Felde unbesiegten“ Heeres, das von einem angeblichen „inneren Feind“ zu Fall gebracht wurde, die „Dolchstoß“-Legende. Bei unserem Stadtrundgang am Freitag haben wir an Hitlers Rede vor dem Übersee-Club erinnert, in der er von 15 Millionen Menschen ohne jedes Nationalgefühl sprach, die man ausschalten müsse, weil sie dem Aufstieg Deutschlands zur Weltmacht im Wege stünden.

Auch der unsägliche Begriff vom „Jüdischen Bolschewismus“ war schon am Ende des ersten Weltkriegs entstanden.

Und natürlich wurde auch damals schon Deutschland als Opfer des Versailler Vertrags inszeniert.

 

Die Organisationen der Arbeiterbewegung, besonders die Kommunisten, wussten deshalb schon früh, „wer Hindenburg wählt, wählt Hitler – wer Hitler wählt, wählt den Krieg“.

Dass sich die Deutschen doch für Hindenburg, Hitler und den Krieg entschieden, bezahlten mehr als 55 Millionen Opfer mit ihrem Leben.

 

Anders als die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer es gehofft hatten, gab es 1945 keinen endgültigen Bruch mit der Tradition, die dem Faschismus zugrunde lag.

 

Die Täter wurden – mit wenigen Ausnahmen – nicht bestraft. Kaum einer der NSDAP-Funktionäre, Folterknechte, Kriegsverbrecher, SS-Schergen wurde je angeklagt.

Für die Remilitarisierung der Bundesrepublik wurde das Oberkomando der Wehrmacht reaktiviert, alte Nazis fanden sich bei der Polizei, bei BND und Verfassungsschutz, in Justiz und Verwaltung, in Schulen und Universitäten und im diplomatischen Dienst wieder.

 

Es gab keine Zerschlagung der Konzerne, die von Arisierung und Holocaust, vom Vernichtungskrieg und von millionenfacher Zwangsarbeit profitiert hatten. Bis heute gibt es Opfer in Deutschland und vor allem in den vom faschistischen Deutschland besetzten und ausgeplünderten Ländern, die nie entschädigt wurden.

 

Auch der Antikommunismus lebt in dieser Gesellschaft ungebrochen fort. Er ist die Grundlage der zur Staatsdoktrin gewordene Totalitarismus-Theorie.

 

Und diese ermöglicht es, dass die NPD bis heute nicht verboten ist, dass der bayrische Verfassungsschutz gar so weit geht zu behaupten, die VVN-BdA verstoße nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern gar gegen die Menschenrechte, wenn wir darauf bestehen, dass Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist.

 

Dabei gibt es längst neue Opfer: fast 200 Menschen wurden in den letzten 25 Jahren Opfer faschistischer Gewalt. Sie erschlagen, erstochen oder  erschossen wie die Opfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Noch ein halbes Jahr bevor der zufällig entdeckt wurde, hieß es im VS-Bericht, dass es keine Hinweise auf rechts-terroristische Organisationen gebe.

 

Gerade in der letzten Woche wurde nun eine neue terroristische Zelle entdeckt. Und ein Hamburger Steuerbeamter zündet eine Unterkunft für Flüchtlinge an und denkt, er tut etwas „Gutes“, wenn er armen Menschen das Dach über dem Kopf abfackelt und seine Nachbarin erzählt der Presse ungerührt, sie finde, man sollte da „einen Schlauch reinlegen“.

 

Solche Haltungen gedeihen in einem Klima der verallgemeinerten Konkurrenz:

Konkurrenz um den Arbeitsplatz,
Konkurrenz um den Zugang zu der öffentlichen Infrastruktur, die ein „schlanker Staat“ noch anbietet, weil weniger Steuern für Konzerne und Reiche eben auch weniger öffentliche Investitionen bedeuten,
und natürlich der Wettbewerb um Rohstoffe, Märkte und die billigste Arbeitskraft. Deutschland ist „Exportweltmeister“ und will Weltmacht werden.

 

Konkurrenz bestimmt das Verhältnis zwischen Staaten und das der Menschen zueinander. Beides schafft die Armut und die Kriege, aus denen Menschen fliehen, die dann hier so herzlich unwillkommen sind.

 

Faschisten fühlen sich in diesem gesellschaftlichen Klima als konsequente Vollstrecker   eines vermuteten Volkswillens.

 

Dem müssen wir als Antifaschistinnen und Antifaschisten auch begegnen, indem wir die sozialen Rechte der arbeitenden und arbeitslosen Menschen verteidigen. Dafür brauchen wir starke Organisationen, Parteien und vor allem Gewerkschaften.

 

Wir müssen immer wieder den Finger in die Wunde legen, und  auch heute noch und wieder fordern, dass Opfer faschistischer Gewalt entschädigt und Täter bestraft werden.  Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und damit wird klargestellt, dass Faschismus eben keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist.

 

Wir müssen eintreten für die Verteidigung der Menschenrechte und der Bürgerrechte, für internationale Solidarität und für offene Grenzen in der globalisierten Welt.

 

Wenn wir das schaffen, haben wir einen ersten wichtigen Schritt gemacht in Richtung auf die neue Welt des Friedens und der Freiheit, in der Faschismus und Krieg der Vergangenheit angehören.

 

Cornelia Kerth

Befreiung – was sonst!

19. Mai 2015

Der 70. Jahrestag der Befreiung in Hamburg

Nachdem die Bundesregierung schon vor zehn Jahren angekündigt hatte, dass der 60. Jahrestag der Befreiung der letzte sei, der groß begangen werde, folgte schon bald die allgemeine Sprachregelung in Politik und Medien vom „Tag des Kriegsendes und der Befreiung der Lager“. Und tatsächlich, am 8. Mai 2015 schwieg die Bundesregierung.   Mehr noch: Auch die Einladung zu den Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ in Moskau wies die Regierung unter Hinweis auf den Konflikt um die und in der Ukraine zurück. Da erscheint es fast als gutes Zeichen, dass der Außenminister am 8. Mai mit seinem russischen Amtskollegen in Wolgograd und die Kanzlerin dann am 10. Mai mit Putin in Moskau Kränze niedergelegt haben.   Das Parlament lud sich mit Heinrich August Winkler einen Historiker ein, der die Befreiung nur in einem – natürlich dem westlichen – Teil Europas sah und überdies der Gauck’schen „Mahnung“ vor pazifistischer Bequemlichkeit statt militärischer „Verantwortung“ noch die Weisheit hinzufügte, dass es eine „deutsche Sondermoral“ nicht geben dürfe …

 

So war die Erinnerung an diesen Jahrestag, der in nahezu allen anderen europäischen Ländern ein Feiertag ist, ganz in die Hände der außerparlamentarischen Kräfte gelegt. Da war es ein wichtiges Zeichen, das die Linksfraktionen im Bundestag und in der Hamburger Bürgerschaft den Antrag einbrachten, auch in Deutschland den Tag der Befreiung von Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum gesetzlichen Feiertag zu machen.   In Hamburg hatte sich schon seit dem vergangenen Herbst auf Einladung der VVN-BdA ein breites Bündnis aus mehr als 40 Verfolgten-Organisationen, geschichts- und erinnerungspolitische Initiativen, Gruppen und Organisationen aus antifaschistischen Bündnissen und Friedensbewegung ebenso wie zivilgesellschaftliche Netzwerke, Gewerkschaften, Jugendorganisationen und Parteien zusammengefunden. Mit der „Hamburger Erklärung“ trat das Bündnis schon früh an die Öffentlichkeit und warb für ein großes Befreiungsfest in den Wallanlagen am 9. Mai als gemeinsamen Höhepunkt vielfältiger Aktivitäten zu diesem 70. Jahrestag.

 

Fanden Auf- und Abbau der vielen Info- und Verpflegungszelte, der Bühnentechnik u. s. w. teilweise in strömendem Regen statt, so zeigte sich jedoch während der Veranstaltung sogar zeitweise die Sonne. Und so kamen rund 1.000 Hamburger_innen auf ein paar Stunden oder auf einen “Sprung“ vorbei. Manche von ihnen vielleicht einfach beim Spaziergang oder gar auf dem Weg zum Hafengeburtstag. Viele, weil sie einen Grund sahen, an diesem Tag gemeinsam zu feiern.

Da sprachen die „Zeitzeuginnen“ Antje Kosemund und Frieda Larsen, Sylvia Wempner und Rolf Becker ließen die Erinnerungen und Gedanken von Elsa Werner, Gebhard Kraft, Wolf van der Walde und Eberhard Zamory wieder lebendig werden und Rolf fügte eigene hinzu. Die internationalen Gäste, Piet Schouten (FIR Vizepr. aus Holland), Jacques Lewkowicz und Nicole Mokobodzki von der Union des Juifs pour la Résistance et l’Entraide aus Paris und Ruth Bariff, Tochter des Hamburger Widerstandskämpfers Werner Stender aus London sowie der russische Veteran Alexander Homskij verliehen der Veranstaltung eine zusätzliche emotionale Dimension.

Norma van der Walde sprach über das Leben ihrer Eltern als jüdische Jugendliche im englischen Exil, in der FDJ und im Deutschen Kulturbund. Steffi Wittenberg, die stets ihr Überleben dank Asyl in Uruguay als Ansporn für ihr internationalistisches Engagement sah, war durch ihre Biographin Erika Hirsch präsent und unser chilenischer Freund César Gonzales sprach vom faschistischen Putsch in Chile, der Ankunft in Hamburg und spannte den Bogen in die Gegenwart, als er vom Hungerstreik ehemaliger politischer Gefangener in Chile sprach, mit dem sie für Entschädigungszahlungen und Renten für ein Leben in Würde kämpfen.

 

Auch Gaby Heinecke und Martin Klingner vom AK Distomo sprachen über die Gegenwart: bis heute nicht gezahlte Entschädigung für die Opfer und bis heute nicht bestrafte Verbrechen. Die Überlebenden und Hinterbliebenen des Massakers, bei dem SS-Einheiten im Juni 1944 218 Bewohner_innen grausam massakriert und ihre Häuser in Brand gesteckt hatten, stehen stellvertretend für alle griechischen NS-Opfer. Auch Täter wurden nie bestraft, so lebt noch immer der in Italien wegen des Massakers in St. Anna di Stazema verurteilte Kriegsverbrecher Gerhard Sommer unbehelligt in Hamburg.

 

Zum Abschluss wurde über die Bedeutung des Schwurs von Buchenwald für die heutigen Generationen diskutiert. Einig war man sich darin, dass es noch viel zu tun gibt und dass Veranstaltungen wie diese dazu motivieren, es gemeinsam anzugehen.

Dazwischen viel Musik: Folk von David Rovics, Rap von OneStepAhead, Swing vom Café Royal Salonorchester, Lieder aus Lateinamerika von Resistencia, das Duo Sokugayo vertonte Erich Mühsam, die Oma Körner Band und die Surfits „heizten“ ein als es zum Abend kühler wurde.

 

Bereits am Freitag war am künftigen Ort des Deserteursdenkmals neben dem Kriegsklotz die Grundsteinlegung vorbereitet worden, am Abend war in der Universität Hamburg (Westflügel) die sehr informative Ausstellung „Europäischer Widerstandskampf gegen den Faschismus“ eröffnet worden. Sie ist noch bis zum 22. Mai zu sehen.

 

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung hatten rund 300 Leute an einem szenischen Stadtrundgang auf den Spuren des Widerstands teilgenommen, „begleitet“ von Menschen aus dem Widerstand, über die berichtet wurde; von Fiete Schulze und Etkar André waren die Totenmasken dabei, an Franz und Katharina Jakob erinnerte ihre Tochter Ilse mit Texten von Katharina. Peter Gingold, Esther Bejarano, Steffi Wittenberg und Flora Neumann waren auf Plakaten präsent. Parallel dazu wurde in St. Georg der eindrucksvolle Film „Komm und sieh“ des sowjetischen Regisseurs Elim Klimov gezeigt.

 

Am 10. Mai wurde nach der traditionellen Gedenkfeier der VVN-BdA am Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Ohlsdorf auf dem Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer eine neue Skulptur „Der Redner“ gemeinsam mit dem Förderverein des Friedhofs eingeweiht.   Alles in allem haben sicher knapp 1.500 Menschen an den Veranstaltungen rund um den Tag der Befreiung teilgenommen. Das sollte eine gute Grundlage sein, auch in Zukunft daran festzuhalten: der 8. Mai muss auch in Deutschland zum gesetzlichen Feiertag werden.

 

Cornelia Kerth

2. Monat des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel vom 20.4. – 31. 5.2015

28. April 2015

Das ganze Programm hier : 2. Monat des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel vom 20.4. – 31. 5.2015

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten