Sonntag, 23. August, 17.00 Uhr – „Der Fall Gleiwitz“

20. Juni 2020

Ein Film von von Gerhard Klein, DDR 1961

Der Film rekonstruiert minutiös den von den Nazis am 31. August 1939 fingierten polnischen Überfall, der den Grund für den Krieg gegen Polen liefern sollte. Der Rundfunksender Gleiwitz befindet sich nahe der polnischen Grenze. Sechs aus Polen stammende Volksdeutsche kommen von einer SS-Schule im Sonderauftrag nach Gleiwitz und werden von SS-Hauptsturmführer Naujocks empfangen. Am 31. August gibt Heydrich aus Berlin den telefonischen Befehl, die geplante Aktion durchzuführen. Ein KZ-Häftling wird in eine polnische Uniform gesteckt, zum Sender gebracht, erschossen und als „Beweis“ für den Überfall der Polen zurückgelassen. Am Morgen darauf wird „zurückgeschossen“. (DEFA-Stiftung)

Aus der Reihe „Täter – Opfer – Widerstand“  – Gemeinsames Projekt der VVN-BdA und des Metropolis Kommunales Kino, jeweils Kleine Theaterstrasse 10, 20354 Hamburg

Presseerklärung der Initiative Gedenkort Stadthaus zum Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen

18. Juni 2020

Erinnerungspolitische Bagatellisierung wird zum Programm

Die spärlichen Aussagen des neuen Koalitionsvertrags zur Erinnerungskultur in Hamburg dokumentieren den fortgesetzten Unwillen, sich mit der NS-Geschichte dort zu konfrontieren, wo sich das Zentrum des Nazi-Terrors in Hamburg befand: im und am Stadthaus. Weiterhin soll es dabei bleiben, dass eine privat betriebene Buchhandlung mit Café und einer kleinen, kompakten Info-Ecke von 50 qm als Geschichtsort fungiert, kaum sichtbar und eingequetscht zwischen großen Luxus-Geschäften. So bleiben „die dunklen Seiten unserer Stadtgeschichte“, wie sie von der Koalition genannt werden, auch weiterhin im Dunkeln. Und Schulklassen, die sich mit der Bedeutung der Nazi-Terror-Zentrale auseinandersetzen wollen, haben keine Chance auf dieser kleinen Fläche. Der nach wie vor wichtige Bildungsauftrag wird hier ad absurdum geführt.

 

Wie Hohn klingt die Behauptung, dass „Impulse von zivilgesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden“ sollen angesichts der Tatsache, dass sich fast alle in der Erinnerungskultur aktiven Gruppen klar ablehnend gegenüber dem Konzept einer Lesesaal-Geschichtsecke geäußert haben und in dieser Kritik von zahlreichen Wissenschaftler*innen unterstützt werden. Deren Forderung, die Wagenhalle oder eine ähnliche große Fläche im Stadthauskomplex durch die Stadt anzumieten, wird einfach ignoriert.

 

Zahlreiche Berichte von Akteuren des Widerstands, die im Stadthaus unter Folter verhört wurden und miterleben mussten, dass dort auch Kameraden ermordet wurden, sowie deren Angehörige bezeugen, dass sich hier im Zentrum Hamburgs auch die Zentrale ihrer Verfolgung befand. Darum kann auch nur hier am historischen Ort die zentrale Gedenkstätte des Widerstands eingerichtet werden, wie es von den Verfolgtenverbänden VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes– Hamburg) und AvS (Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten) gefordert wird. Es zeugt von großer Respektlosigkeit, wenn die Koalition die Dokumentation und Würdigung des Hamburger Widerstands jetzt in die JVA Fuhlsbüttel nach Ohlsdorf verschieben will, an den Ort, wo diejenigen, die Widerstand leisteten, zu Opfern wurden, der aber weit entfernt von dem Zentrum von Terror und Unterdrückung (nicht nur in Hamburg, sondern in Norddeutschland) in der inneren Stadt liegt.

Diese Missachtung des Widerstands und das Verstecken der historischen Erinnerung an die zentrale Rolle des Stadthauses als Zentrum von Terror und Unterdrückung in einer privaten Buchhandlung mit angeschlossenem Café wird der Bedeutung der Erinnerung in Zeiten, in denen faschistische Ideologie erneut gesellschaftliche Akzeptanz gewinnt und die historischen Verbrechen immer wieder bagatellisiert werden, in keiner Weise gerecht.  Statt dem entgegenzutreten, gibt die Koalition von SPD und Grünen an diesem zentralen Ort der kommerziellen Nutzung, dem luxuriösen Schein und großen Investoren den Vorzug.

 

Im grünen Wahlprogramm stand noch, dass die Grünen für den Fall ihrer Regierungsbeteiligung „Flächen für einen tatsächlich geeigneten Lernort schaffen“ wollen. Und auch die SPD war der Meinung, dass die wichtigste Aufgabe des Gedenkortes, nämlich auch Lernort zu sein, bisher nicht erfüllt ist. Außerdem braucht die neu geschaffene Stelle (Historikerin, bzw. Historiker) auch den ausreichenden Raum für entsprechende Aktivitäten. Ist das alles schon vergessen?

 

Auch die von Hamburg aus besonders geforderte und geförderte deutsche Kolonialpolitik war eng mit Ideologie und Propaganda von Rassismus und völkischem Nationalismus verbunden und schuf damit eine der Voraussetzungen für den Aufstieg der NSDAP. Der Koalition ist das nur eine allgemeine Bemerkung wert, es findet sich kein Wort zur anhaltenden Hamburger Kolonialverklärung in Straßennamen und Denkmälern. Da wundert es dann auch nicht, dass die Koalitionäre die enge Verbindung der Kolonialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg, mit den Plänen und der teilweisen Umsetzung durch die Nazis in den besetzten Gebieten nach 1939, z.B. dem „Generalplan Ost“ (unter aktiver Beteiligung Hamburger Polizeieinheiten), erkennbar nicht im Blick haben.  

 

Das Desinteresse der Koalition an einer angemessenen Erinnerungspolitik wird auch in der folgenlosen Behauptung, dass „der 8. Mai … als Tag der Befreiung und als Mahnung an die Gesellschaft, im Kampf gegen rechte Gewalt nicht nachzulassen, (für uns) eine große Bedeutung“ habe, deutlich. Die inzwischen breit unterstützte Forderung der VVN und Esther Bejaranos, den 8. Mai zum staatlichen Feiertag zu machen, wird schlichtweg ignoriert.

 

Es ist anstrengend, bleibt aber notwendig: Wie schon in den vergangenen Jahrzehnten muss das Erinnern an die NS-Vergangenheit Hamburgs und des Hamburger Widerstandes gegen Senat und Bürgerschaftsmehrheit erkämpft werden. Und solange diese einen Ort der Erinnerung an Terror und an Widerstand im Stadtzentrum verweigern, werden wir unsere Forderungen aufrechterhalten,

vor Ort aktiv bleiben und in aller Öffentlichkeit an die Verbrechen des NS-Regimes im Stadthaus erinnern.

 

Kontakt:

Cornelia Kerth (VVN-BdA)

Wolfgang Kopitzsch (AvS)

 

Hamburg, 18.06.2020

Wir und #unteilbar am 14.06.2020

15. Juni 2020

75. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 2020 – Unsere Videos

8. Juni 2020

 

Unbedingt anschauen: Hamburger SchülerInnen für den Erhalt der Gemeinnützigkeit der VVN-BdA

4. Juni 2020

Hamburger Schülerinnen und Schüler haben dieses tolle Video produziert

Das müsst ihr gesehen haben!!!!!!

Mahnwachen zum Tag der Befreiung – 8. Mai – 17.00 bis 18.00 Uhr Stadthausbrücke 8

6. Mai 2020

Vor dem Schaufenster des Gedenk-Cafés, an dem die Fotos der Ermordeten zu sehen sind, sollen um 17 Uhr viele Blumen zu sehen sein.

Von 17 bis 18 Uhr haben wir dort drei Mahnwachen angemeldet (je 25 Personen mit 1,5 m Abstand voneinander – jeweils nach links und rechts vom Schaufenster). Wer keinen der Plätze  mehr erwischt, kann gern hin und her spazieren gehen.

Um 17.50 wollen wir dort gemeinsam Bella Ciao singen. Das werden andere Zusammenhänge gleichzeitig auch tun, so dass die Stadt das Lied an vielen Orten gleichzeitig hören wird.

 

VVN-BdA Hamburg

mit dem Bündnis 8. Mai 2020

 

Lange haben wir gemeinsam mit den Freund*innen im Bündnis 8. Mai an einer großen Demo zu Orten von Widerstand und Verfolgung am 8. Mai gearbeitet, an deren Ende wir gemeinsam den Tag der Befreiung feiern wollten. Das wird unter Corona-Bedingungen nun kaum möglich sein. Aber auch in diesen Zeiten wollen wir natürlich nicht darauf verzichten, unsere Perspektive in die gesellschaftlich Diskussion einzubringen und damit sichtbar zu werden.

  • Wir haben die Petition 8. Mai zum Feiertag machen! Was 75 Jahre nach Befreiung vom Faschismus getan werden muss!, die die Bundesvereinigung zusammen mit Esther Bejarano auf den Weg gebracht hat unterstützt. Mehr als 80.000 Menschen haben sie seit dem 8. April unterschrieben; wir wollen den 8. Mai dazu nutzen, weitere Unterschriften zu sammeln, um die 150.000 voll zu machen.
  • Dazu gibt es eine Social Media-Kampagne, der Ihr Euch via Facebook, Twitter oder Instagram unter #8Mai #TagderBefreiung #75Befreiung #RoteArmee #wernichtfeierthatverloren #Antifaschismus  anschließen könnt; zu sehen sind die Beiträge auch wenn Ihr die Hashtags als Suchbegrif, z. B. bei google eingebt. Erwünscht sind v. a. Fotos von Euch an Gedenkorten, gern mit Blumen, Plakaten oder anderen Stellungnahmen.
  • Apropos Plakate: Natürlich gibt es unsere „Befreier“-Plakatserie in neuer Auflage (75 Jahre) ebenso wie „Befreiung – was sonst?“ und unseren antifa-Sonderdruck zum 8. Mai im Online-Shop, das Transparent mit dem Schwur v. Buchenwald wurde nachgedruckt und in der Mai-Ausgabe der Antifa findet Ihr unser Plakat „8. Mai- Feiertag“ zur freundlichen Nutzung an Fenstern oder wo immer Ihr damit gesehen werden wollt.
  • Das Hamburger 8. Mai-Bündnis schließt sich der Social Media-Kampagne an und sorgt dafür, dass die Stationen der geplanten Demo zu Orten von Widerstand und Verfolgung zumindest virtuell stattfindet:#TagderBefreiung #75befreiung #75befreiunghh #8mai #nonazishh #8mai2020 #niewieder #8maifeiertag
  • Macht alle mit und schmückt am 8. Mai allein oder zu zweit, dritt … (natürlich Corona-konform) Orte des Gedenkens mit Nelken, Rosen und anderen geeigneten Blümchen.

http://hamburg.vvn-bda.de/wp-content/uploads/sites/16/2020/05/Aufruf_Buendnis_8_Mai_Hamburg-002.pdf

Tisch mit 12 Stühlen – ehrendes Gedenken in Zeiten von Corona

30. April 2020

Am Sonnabend, dem 25.04.2020 haben Mitglieder der Kreisvereinigung Eimsbüttel die Gedenkstätte „Tisch mit 12 Stühlen“ besucht.

Der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte entwarf das 1987 eingeweihte Mahnmal zum Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Es ist aus Ziegelsteinen gefertigt und hat die Form eines von zwölf Stühlen umstellten ovalen Tisches.

Elf Rückenlehnen der Stühle sind mit den Namen der folgenden Hamburger Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer versehen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden: Georg Appel, Clara und Walter Bacher, Rudolf Klug, Curt Ledien, Reinhold Meyer, Hanne Mertens, Ernst Mittelbach, Joseph Norden, Margaretha Rothe, Kurt Schill und Paul Thürey. Nach ihnen waren 1984 Straßen in der Umgebung des Mahnmals benannt worden.

Auf einer Tafel auf dem zwölften Stuhl, der keinen Namen trägt, wird die Gedenkstätte erläutert und dazu aufgefordert, sich dazuzusetzen und der Frauen und Männer des Widerstands zu gedenken.

LASST NIEMANDEN ZURÜCK. Nicht gleichgültig zuschauen. – Esther Bejarano und das Auschwitz-Komitee schreiben an den Ersten Bürgermeister von Hamburg

8. April 2020

Offener Brief an Dr. Peter Tschentscher

Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

 Ich habe immer geglaubt, dass das  Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit (Elie Wiesel)

Sehr geehrter Herr Dr. Tschentscher,

die globalisierte Welt steht Kopf, ist durch ein Virus in einen Schlamassel geraten. Es bedarf der Anstrengung aller, um diesen Kampf zu gewinnen, um Leben zu retten und zu helfen. Die einen müssen die Quarantäne aushalten, die anderen ganz strikt zuhause bleiben – und sehr viele müssen unter schwierigen und oft prekären Bedingungen ihre Arbeit tun.

Dies ist auch die Zeit großer, mitfühlender Menschlichkeit, die Zeit der Held*innen, die helfen, wo immer es ihnen möglich ist. ‚Menschenleben vor Profit‘, dieses Diktum steht noch, zumindest für die Ortsansässigen. Wie lange diese Linie hält, werden die nächsten Wochen zeigen. Die in Pflegeberufen Arbeitenden warnen schon seit vielen Jahren: „Gesundheit ist keine Ware“. Die Kommerzialisierung von Pflege, Gesundheit und Krankheit zeigt in dieser Krise überdeutlich ihre Schwächen. Das Gesundheitswesen muss in gesellschaftliche Verantwortung zurückgenommen werden.

Und auch hier, im wohlhabenden, geordneten Stadtstaat, werden Probleme drastisch deutlich: Es fehlt an sicheren Schlafplätzen für Bedürftige, an ärztlicher Versorgung für Geflüchtete ohne Obdach und für Menschen ohne Papiere.

Wir fordern:

Medizinische Versorgung für alle – für jeden Menschen, ob mit oder ohne Papiere, ohne Ansehen der Person oder des Versichertenstatus.

Leerstehende Hotels öffnen!, ‚#OpenTheHotels‘ – fordern freiwillige Helfer*innen. Hören Sie auf diese Gruppen. Frankfurt am Main hat das getan.

Lasst niemanden zurück! ‚#LeaveNoOneBehind‘ – In den Lagern für Geflüchtete an den europäischen Außengrenzen herrschen unmenschliche Zustände. Gerade für die Schwächsten dort und für die Kinder muss dringend gesorgt werden. Hamburg hat – wie viele Städte – sich schon bereit erklärt zur Aufnahme. Jetzt muss gehandelt werden – sofort!

Könnten wir uns je verzeihen, wenn wir diesem Elend auf den griechischen Inseln gleichgültig zuschauen?

Wir hoffen, dass Hamburg, unsere Stadt, ein Beispiel setzt für mehr Menschlichkeit!

Mit freundlichen Grüßen

Esther Bejarano

(Vorsitzende)

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

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Kontakt:

kontakt@auschwitz-komitee.de

www.auschwitz-komitee.de

 

 

 

 

 

 

 

8. Mai – arbeitsfrei – Petition von Esther Bejarano und der VVN-BdA-Bundesorganisation

8. April 2020

Die VVN-BdA hat heute zusammen mit Esther Bejarano eine Petition gestartet um bis zum 8. Mai der Forderung „8. Mai – arbeitsfrei“ gehörigen Nachdruck zu verleihen.

Tipp: gleich unterschreiben und weiterleiten …

https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Unser Buchtipp: Was heißt hier eigentlich Verfassungsschutz? – Ein Geheimdienst und seine Praxis

8. April 2020

von: Kerth, Cornelia (Hrsg.) / Kutscha, Martin (Hrsg.)

„Verfassungsschutz“ – das klingt gut. Aber werden die mit diesem Namen geadelten Behörden ihrem Anspruch gerecht? Zahlreiche Skandale wie etwa das völlige Versagen beim Aufspüren der neonazistischen Terrorzelle „NSU“ lassen daran zweifeln. Gleichwohl wurden in den letzten Jahren die Verfassungsschutzämter finanziell und personell aufgestockt und ihre Überwachungsbefugnisse noch erweitert. Dieser Sammelband nimmt Geschichte, Handlungsgrundlagen und aktuelle Praxis des Verfassungsschutzes unter die Lupe. Sind es wirklich nur „Pannen“, wenn dieser so wenig zur Aufklärung der Neonaziszene in Deutschland beiträgt? Welche Aufgaben weisen Grundgesetz und Fachgesetze den Geheimdiensten eigentlich zu? Wie sind die Vertuschung und Blockade bei der Aufdeckung terroristischer Netzwerke z.B. im NSU-Prozess zu erklären? Werden die parlamentarischen Kontrollgremien ihrer Aufgabe gerecht oder dienen sie lediglich als Feigenblatt für fragwürdige Aktivitäten? Welche Alternativen gibt es, um die demokratische Verfassungsordnung wirksam zu schützen? Mit Beiträgen von Antonia von der Behrens, Rolf Gössner, Luca Heyer, Udo Kauß, Martin Kutscha, Till Müller-Heidelberg, Martina Renner, Niklas Schrader und Klaus Stein.

PapyRossa Verlagsges. 2020 , Paperback, etwa 130 Seiten ISBN 978-3-89438-735-8

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